Trauma im Sport

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Trauma im Sport

Univ.-Prof. Dr. med. K. JUNG, Mainz



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Einführung
Sportverletzungen
Statistik
Art und Lokalisation
Risiko
Kosten
Allgemeine Traumatologie
Muskelverletzungen
Muskelkater
Muskelzerrung
Muskelfaserriss
Muskelriss
Myogelose
Muskelprellung
Muskelhernie
Sehnenaffektionen
Paratenonitis (Entzündung des Sehnengleitgewebes)
Tendopathien (Sehnenreizungen)
Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung)
Ruptur
Knorpelschaden
Traumatische Chondropathie
Osteochondrosis dissecans (Gelenkmaus)
Arthrose
Frakturen
Discopathien
Gelenkverletzungen
Kapselbandverletzungen
Luxationen
Bursitiden
Erste-Hilfe-Ausrüstung
Spezielle Traumatologie
Kopf
Commotio cerebri
Augenverletzungen
Nasenverletzungen
Ohrenverletzungen
Wirbelsäule
Akutes HWS-Syndrom
Akutes BWS-Syndrom
Akutes LWS-Syndrom
Frakturen/Luxationen/Luxationsfrakturen
Morbus Scheuermann
Spondylolyse/Spondylolisthese
Typische Sportverletzungen und Sportschäden
Thorax
Kontusionen/Frakturen
Typische Sportverletzungen
Schultergürtel
Claviculafraktur
Scapulafraktur
Verletzungen des Acromioclaviculargelenks
Schulterluxation
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden
Obere Extremitäten
Ellenbogen und Unterarm
Handgelenk, Handwurzel, Hand
Ausgewählte Frakturen/Luxationen
Suprakondyläre Humerusfraktur
Ellenbogenluxation
Distale Radiusfraktur mit und ohne Luxation
Naviculare-Fraktur
Ausgewählte sportartspezifische Verle tzungen/Schäden
Beckengürtel
Beckenrandfrakturen
Beckenringfrakturen
Hüftpfannenfraktur
Hüftgelenkluxation
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden
Untere Extremitäten
Oberschenkel
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden
Kniegelenk
Streckapparat
Fibröse Kapsel
Patella
Frakturen
Gelenkknorpel
Menisci
Seitenbänder
Kreuzbänder
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden
Unterschenkel
Frakturen
Achillessehnenaffektionen
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden
Fuß
Distorsion im oberen Sprunggelenk
Intraartikuläre Fraktur der distalen Tibia
Malleolenfraktur
Stressfraktur des Os naviculare
Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden


1. EINFÜHRUNG

80 Prozent aller Sportverletzungen könnten vermieden werden, wenn Sporttreibende aller Leistungskategorien sich angemessen auf Training und Wettkampf vorbereiten würden. Drei einfache Prinzipien sind in diesem Zusammenhang zu beachten:
  1. Körperliche Fitness: Dies gilt sowohl für die allgemeine wie für die spezielle(sportartbezogene) Fitness. Durch Ausgleichsübungen (z. B. Gymnastik) ist ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Flexibilität, Kraft und Ausdauer einerseits, zwischen Agonisten und Antagonisten andererseits zu erzielen.
  2. Sorgfältiges Aufwärmen: Die körperliche Leistungsfähigkeit lässt sich bei guter, ausreichender Aufwärmung steigern, die Verletzungs- wie Überlastungsgefahr verringern. Mindestens fünfzehn Minuten sind dafür anzusetzen. Zu bevorzugen sind Lockerungsübungen und submaximale Ausdauerbelastungen, weniger Dehnungsübungen.
  3. Richtige Ausrüstung und Technik:Die Ausrüstung (Laufschuh, Skibindung, Rudersitz) ist individuell zu handhaben, jeder Körper ist in Anatomie und Funktion verschieden von anderen. Schlechte Technik ist ein Hauptfaktor für Überlastungen wie Verletzungen, sie ist gegebenenfalls immer wieder von kompetenten Trainern zu überprüfen. Nur durch ausreichende Übung werden Bewegungsabläufe automatisiert, weshalb Anfänger und ermüdete Sportler stärker gefährdet sind.
Die meisten Verletzungen/Überlastungen treten im Training, nicht im Wettkampf auf. Somit gilt besonders für das Training, dass Qualität des Bewegungsablaufs vor Quantität geht.

1.1. Sportverletzungen

Entscheidend für das Vorliegen einer Sportverletzung ist die Tatsache, dass es sich um eine einmalige, plötzliche und unerwartete Gewalteinwirkung handelt, die unmittelbar mit der sportlichen Tätigkeit in Zusammenhang steht und zur abrupten Unterbrechung eines dynamischen Bewegungsablaufes führt.

Sportartspezifische bzw. typische Sportverletzungen sind Verletzungen, die sich in einer Sportart regelmäßig wiederholen und ein durch spezifische Technik charakterisiertes Verletzungsmuster aufweisen.

Zu unterscheiden von den Sportverletzungen sind Krankheiten (auslösende Ursachen: einerseits endogene Faktoren wie Konstitution und Veranlagung, andererseits exogene Ursachen wie Klima, Ernährung, pathogene Keime) und Überlastungsschäden (s. Tab. I), wobei die Übergänge jeweils fließend sein können.

Als Ursache von Sportverletzungen sind vor allem eine ungenügende Vorbereitung und damit eine mangelhafte muskuläre Koordination, Überlastung und Übermüdung sowie eine Nichtbeachtung sportlicher Regeln durch den Betroffenen oder seine(n) Gegner zu nennen. An anderer Stelle wird in subjektive (Disziplinlosigkeit, unüberlegtes Handeln und Übermüdung) und objektive Unfallursachen unterschieden (eigene Unzulänglichkeit hinsichtlich Körperbeherrschung und ausreichender Aufwärmung, Unzulänglichkeit des sportlichen Gegners oder Partners, Mangel bei benutzten Sportgeräten und Sportstätten, klimatische Bedingungen wie Regen, Wind, Frost oder Föhn sowie organisatorische Mängel in der Gestaltung von Training und Wettkampf).

Meist handelt es sich bei Sportverletzungen um Makrotraumen (Kontusion, Distorsion, Ruptur, Fraktur und Luxation). Sie können sich jedoch auch aus Mikrotraumen entwickeln, die einzeln weder subjektiv noch objektiv wahrgenommen werden, sondern erst in ihrer Summation einen pathogenetischen Effekt erreichen (Übergang zu Sportschäden, beispielsweise Stressfraktur, Achillessehnenruptur).

1.2. Statistik

Die spezielle Verletzungshäufigkeit in den einzelnen Sportarten richtet sich einerseits ganz wesentlich nach der Beliebtheit der Sportart, wodurch sich erhebliche regionale Unterschiede ergeben (Wassersport, Skifahren), andererseits nach der motorischen Beanspruchung, dem Geräteeinsatz, der Technikbeherrschung, der Intensität der Ausübung und klimatischen sowie Geländebedingungen. Große Statistiken lassen dennoch allgemeine Schlussfolgerungen zu.

1.2.1. Art und Lokalisation

Die meisten Sportarten weisen ein charakteristisches Verletzungsmuster bzw. Schädigungsmuster auf (Tab. II, Tab. III). So steht bei Fußballspielern und Skiabfahrtsläufern das Knie im Vordergrund, Leichtathleten erleiden bevorzugt Muskelverletzungen am Oberschenkel, bei Handball und Volleyballspielern sind die Finger, Ellenbogen und Schultern besonders gefährdet.

Bezüglich der Art der Verletzungen ist eine allgemeingültige Statistik schwer zu erstellen, da Schweregrad der Verletzung und Dauer der Sport- bzw. Arbeitsunfähigkeit in die Analyse ebenfalls einbezogen werden müssten. Die meisten Autoren sind sich jedoch einig, dass Verletzungen von Gelenken einschließlich Kapseln und Bändern sowie von Muskeln/Sehnen weit im Vordergrund stehen. Bezüglich der Art der Verletzungen sind es in abnehmender Reihenfolge Distorsionen, Kontusionen, Frakturen, Luxationen und Rupturen.

Im Hinblick auf die Lokalisation rangieren Verletzungen der unteren Extremität weit vorn (im Gegensatz zu Arbeitsunfällen), gefolgt von den oberen Extremitäten, Kopf und Rumpf (Tab. IV).

Die Verletzungsmuster der einzelnen Sportarten fallen dabei ganz unterschiedlich aus (Tab. V). So treten beim Basketball und beim Skifahren die häufigsten Verletzungen am Gelenkapparat einschließlich Kapseln und Bändern auf, bei den leichtathletischen Disziplinen stehen Muskel-/Sehnenverletzungen im Vordergrund. Prellungen ereignen sich am häufigsten bei Kontaktsportarten wie Fußball und Hockey sowie im Kraftsport.


1.2.2. Risiko

Art und Lokalisation einer Verletzung sagen nichts über das individuelle Risiko einer bestimmten Verletzung für den einzelnen Sportler in einer bestimmten Sportart aus. Dazu wird meist die Verletzungshäufigkeit pro 1000 Sporttreibende und Jahr angegeben (Tab. VI). Wenngleich der statistische Vergleich wegen verschiedener Einflussfaktoren, die meist nicht berücksichtigt werden (Alter, Geschlecht, Leistungsniveau, Art der Erfassung - Notfallambulanz, retrograde Sportlerbefragung), problematisch ist, ergeben sich dennoch wichtige Aspekte, welche sich für vorbeugende Maßnahmen (Ausrüstung, Regelwerk, Sportstätte, Organisation) anbieten.

So ist bei älteren Menschen wegen abnehmender Stabilität und Kraft der Gelenke ein gezieltes Training von Muskelkraft und Koordination sinnvoll, ebenso wie das Tragen von Schutzhelmen, Protektoren und Unterschenkelschützern bei bestimmten Sportarten.

1.3. Kosten

2001 wurde der volkswirtschaftliche Nutzen der Gesundheitseffekte körperlicher Aktivität in der Schweiz annäherungsweise erfasst (MARTIN, 2001). Die Daten basieren einerseits auf der statistisch erfassten Häufigkeit bestimmter Krankheiten (Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes mellitus Typ II, Colon-Ca, Osteoporose, Brust-Ca, wiederkehrende kurze Depressionen, Rückenschmerzen und Hypertonie) bezüglich Morbidität und Mortalität bei Sportlern und Nichtsportlern der Schweiz, andererseits auf evidenzbasierten internationalen Studienergebnissen zur Effektivität körperlicher Ertüchtigung bezüglich Prävention bzw. erfolgreichen Rehabilitation dieser Erkrankungen. Die Ergebnisse sind beachtenswert. Bei ca. 65 Prozent Sporttreibenden aller schweizerischen Bürgerinnen und Bürger resultiert schätzungsweise eine Reduktion an Neuerkrankungen von 2,3 Millionen jährlich und eine Verminderung der Letalität um 3300 Fälle pro Jahr. Das bedeutet eine Einsparung von 2,7 Milliarden Franken jährlich an direkten Behandlungskosten, wozu sich die indirekten Kosten summieren (Krankengeld, Lohnfortzahlung, Arbeitsausfall).

Wenngleich somit der gesundheitlich-ökonomische Nutzeffekt gezielter dosierter körperlicher Ertüchtigung gar nicht hoch genug angesetzt werden kann, bleibt dennoch festzuhalten, dass Sportunfälle den Etat von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften stark belasten.

So wurden beispielsweise 1995 in Deutschland etwa 100 Milliarden Euro für ambulante und stationäre Behandlungen von den Krankenkassen bereitgestellt, etwa 2,5% davon, d. h. ca. 2,5 Milliarden Euro, für Sportverletzungen. Unberücksichtigt sind dabei Folgeschäden und sportartspezifische Sekundärschäden. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang die Einführung eines Risikozuschlags für die Ausübung bestimmter Sportarten diskutiert, allerdings wegen der nicht praktikablen Umsetzung (Unmöglichkeit einer gerechten Risikoabschätzung) nicht realisiert. Besser erscheint eine Lösung, dass beim Kauf bestimmter Sportgeräte der Abschluss einer privaten Unfallversicherung obligatorisch eingeführt würde (MENKE, 2000).

Unabhängig davon ist vor allem Wert auf optimale Unfallverhütung und - im Schadensfall - auf eine adäquate schnelle Therapie zu legen.

2. ALLGEMEINE TRAUMATOLOGIE


2.1. Muskelverletzungen

Muskelverletzungen gehören zu den häufigsten Sportverletzungen überhaupt. Sie sind in allen Sportarten verbreitet, gleichermaßen im Breiten-, Freizeit- und Leistungssport. Art und Schwere der Verletzung werden häufig nicht richtig gedeutet, Folge ist eine unzureichende bzw. fehlende Behandlung.

2.1.1. Muskelkater

Verspürt wird eine allgemeine Schmerzhaftigkeit der Muskulatur schon bei leichter Belastung, verbunden mit einer deutlichen Abnahme der Flexibilität. Verantwortlich dafür ist nicht die lange vermutete Milchsäure, sondern viel eher eine Mikroverletzung der Ultrastruktur der Muskelfaser.

Muskelkater entsteht vor allem bei exzentrischem Krafttraining, also bei abbremsenden Negativbewegungen, in zweiter Linie nach neuen Bewegungsabläufen aufgrund einer mangelhaften intramuskulären Koordination.

Die Therapie ist symptomatisch orientiert. Sauna, Wärme, Elektrotherapie werden als angenehm empfunden. Massage ist zunächst nicht angebracht. Das Training kann in aller Regel fortgesetzt werden.

2.1.2. Muskelzerrung

Grund ist eine Trainingüberlastung oder eine ungenügende Aufwärmung. Die Belastung trifft einen für die erforderliche Leistung nicht vorbereiteten Muskel. Insbesondere bei Schnellkraftbeanspruchung (Sprint, Wurf, Stoß, Schuss, Abstoppen) kommt es zu kurzfristiger Überdehnung, welche die schmerzhafte, zum Belastungsabbruch führende Symptomatik hervorruft.

Der Muskel wird in seiner Kontinuität nicht unterbrochen, es erfolgt keine Einblutung, eine funktionelle Einschränkung ist wenig ausgeprägt.

Charakteristisch ist der langsam zunehmende ziehende Schmerz. Eine Fortführung des Trainings bzw. Wettkampfes sollte in der Regel unterbleiben.

Die Therapie der Wahl ist eine sofort beginnende Kühlung für mindestens 20 Minuten, die Anlegung eines muskelentlastenden Verbandes mit resorptionsfördernder Salbengrundlage und täglich detonisierende Maßnahmen. Vorsichtige Dehnübungen über 6-8 Minuten mit Kräftigung der Antagonisten und Massagen der umgebenden Muskulatur werden propagiert.

Nach 5-7 Tagen ist in der Regel die Sportfähigkeit wieder gegeben.

2.1.3. Muskelfaserriss

Hierbei zerreißen größere Muskelfaseranteile, wobei immer ein Hämatom auftritt. Der Faserriss kann oberflächlich oder tief liegen, welcher Umstand mitunter zu diagnostischen Schwierigkeiten führen kann (muskelreicher Oberschenkel).

Charakteristisch ist der plötzlich auftretende, messerstichartige Schmerz, der eine sofortige Sportunterbrechung erfordert.

Diagnostisch findet sich zunächst eine mehr oder weniger große tastbare Delle, welche innerhalb von Minuten durch das Hämatom ausgefüllt wird. Therapeutisch empfehlen sich eine sofortige Kühlung und das Anlegen eines Kompressionsverbandes. Ziel dabei ist, unter allen Umständen eine vermehrte Blutung zu verhindern. Salbenverbände mit entschwellenden und schmerzstillenden Mitteln werden als angenehm empfunden.

Etwa nach 2 Wochen ist die Narbe belastungsstabil, schon davor kann jedoch vorsichtig mit Massagen (Querfriktion, Lymphdrainage), mit Elektrotherapie und vorsichtiger Dehnung begonnen werden.

2.1.4. Muskelriss

Sie entstehen partiell oder vollständig, gehäuft am Ursprung oder Ansatz des Muskels am Knochen, mitunter auch mit knöchernem Ausriss, wenn die Elastizitätsgrenze des Muskels überschritte n wird.

Charakteristisch ist der plötzliche messerscharfe Schmerz, der zu einem sofortigen Belastungsabbruch führt. Je nach Ausdehnungsgrad treten Dellenbildung sowie verschieden große Blutergüsse auf.

Sonographisch lässt sich die klinische Diagnose im Zweifels fall leicht bestätigen. Kleinere Muskelrisse werden in der Regel konservativ therapiert, bei Rupturen von mehr als 25 Prozent des gesamten Muskelquerschnittes empfiehlt sich eine operative Versorgung zur korrekten Wiederherstellung der vollen Funktion.

2.1.5. Myogelose

Darunter wird eine Verhärtung von isolierten Muskelteilen oder eines gesamten Muskels verstanden. Fehl- und Überbelastung können die auslösenden Ursachen sein, Störungen können jedoch auch von der Muskulatur ausgehen.

Charakteristisch sind tastbare druckempfindliche Verhärtungen, wobei der Schmerz ausstrahlen kann. Bewegungseinschränkungen sind möglich.

Therapeutisch empfehlen sich manuelle Massagen, Unterwassermassagen, Wärmepackungen, Elektrotherapie sowie eventuell Muskeldehnungen.

2.1.6. Muskelprellung

Sie entsteht aufgrund einer äußeren Gewalteinwirkung (Tritt, Schlag, Stoß), ist somit immer traumatischer Natur.

Der Schmerz ist großflächig, meist stark. Äußere Verletzungszeichen können fehlen, die Berührungsempfindlichkeit ist hoch, Bewegungseinschränkung meist gegeben.

Bei diagnostischer Unklarheit hilft die Sonographie weiter.

Therapeutisch soll sofort gekühlt und ein Kompressionsverband angelegt werden. In den ersten 48 Stunden sind Massagen, Wärme und Heparinsalben kontraindiziert, danach können elektrotherapeutische, resorptionsfördernde und detonisierende Maßnahmen zur Anwendung kommen.

Eine gefürchtete Komplikation stellt die MYOSITIS OSSIFICANS dar, eine Knochenneubildung in der verletzten Muskulatur (Abb.1). Bedeutsam für die Entstehung ist vor allem eine zu frühe und unsachgemäße Therapie, indem beispielsweise Massagen zu früh und zu hart, Dehnübungen bis über die Schmerzgrenze hinaus und Wärme zu früh verabreicht werden.

2.1.7. Muskelhernie

Sie entsteht durch Einreißen der muskelumspannenden Faszie durch Schlag, Tritt oder andere stumpfe Gewalteinwirkung. Oft liegt eine Vorschädigung durch ältere, schlecht verheilte Verletzungen vor.

Charakteristisch ist die relative Beschwerdefreiheit, klinisch imponieren die palpable Faszienlücke und der Muskelwulst.

Therapeutische Maßnahmen sind nur bei auftretenden Beschwerden angebracht: Konservativ könnte ein fixierender Verband helfen, operativ wäre eine Fasziennaht möglich.

2.2. Sehnenaffektionen

Verletzungen und überlastungsbedingte Schäden von Sehnen und ihrer Gleitlager werden in der sportärztlichen Praxis häufig gesehen. Von der funktionellen Einheit des Bewegungsapparates (Muskel, Sehne, Knochen) stellen Sehnen das anfälligste Glied dar. Bereits ab dem 25. bis 30. Lebensjahr verschlechtert sich die Blutversorgung der Sehnen zunehmend, so dass schon geringe Überbelastungen, Fehlbelastungen, Dauerbelastungen und falsche Behandlung (Cortison) zu starken Minderungen der Rissfestigkeit und Entzündungen führen können. Bei den Rupturen werden komplette von den inkompletten unterschieden, Prädilektionsstellen sind Achillessehne, Supraspinatussehne, Quadricepssehne, Patellasehne und lange Bicepssehne.

2.2.1. Paratenonitis (Entzündung des Sehnengleitgewebes)

Bei Sehnen ohne Sehnenscheide (z. B. Achillessehne ) kann es zur Reizung des die Sehne umgebenden Gleitgewebes kommen. Charakteristisch ist ein starker Belastungsschmerz bis zur Sportunfähigkeit. Klinisch fällt ein lokaler Druck- und Bewegungsschmerz, ein Anspann- und Dehnschmerz, eine verdickte Sehne und das sogenannte Schnellballknirschen auf. Therapeutisch ist eine (Teil-) Immobilisation im Stützverband, eine abschwellende Salbenauflage, Eisapplikationen und eine orale entzündungshemmende/abschwellende Medikation zu empfehlen.

2.2.2. Tendopathien (Sehnenreizungen)

Hierunter werden die meist chronischen, degenerativen Veränderungen von Sehnen subsumiert. Dies können Insertionstendinosen (am Ursprung oder Ansatz der Sehne), Tendinitiden (Affektionen der Sehne selbst) oder Veränderungen am Muskel-Sehnen-Übergang sein.

Kausaler Faktor ist meist eine chronische Überlastung bei stereotypen Bewegungsabläufen. Falsche Bewegungsmuster spielen oft eine zusätzliche Rolle. Pathogenetisch kommt es aufgrund der Überlastung zu einer arteriellen Ischämie mit folgender Gewebesäuerung, zunehmender Schmerzsymptomatik und langsamer Degeneration bis zur Ruptur, in der Regel unter Alltagsbelastungen.

Bei leichten Formen werden Querfriktionsmassage und Technikverbesserung therapeutisch ausreichen, bei schweren Formen kommen Elektrotherapie, Eisanwendungen, Dehnung von Agonisten/Antagonisten und Trainingsreduktion hinzu.

2.2.3. Tendovaginitis (Sehnenscheidenentzündung)

Betroffen sind vor allem die lange Bicepssehne, die gemeinsame Sehnenscheide von M. abductor pollicis longus und M. extensor pollicis brevis, der M. tibialis posterior und der M. peroneus brevis. Kommt zur Entzündung im weiteren Verlauf eine deutliche Schwellung hinzu, entsteht das Krankheitsbild der Tendovaginitis stenosans mit Behinderung der Beweglichkeit.

Bei leichten Formen kann eine Therapie mit Eisanwendungen, Elektrotherapie und Querfriktionsmassagen versucht werden, ansonsten kommen nichtsteroidale Antirheumatika und lokale Injektionen in die Sehnenscheide zur Anwendung. Ruhigstellungen sollten, wenn überhaupt, nur kurzfristig erfolgen, um Verklebungen der betroffenen Strukturen zu vermeiden.

2.2.4. Ruptur

Drei Entstehungsmechanismen stehen im Vordergrund: Direkte äußere Gewalteinwirkung, plötzliche Kraftanstrengung und plötzliche passive Bewegung eines muskulär fixierten Gelenks. Hinzu kommen begünstigende Faktoren wie Alter, Stoffwechselerkrankungen und großer Muskelquerschnitt (Anabolika-Abusus).

Charakteristischerweise wird ein meist schmerzloser Schlag verspürt (gehört), verbunden mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Funktionsunfähigkeit. Diagnostisch hilft eine übermäßige Muskelbauchbildung und eine Lücke im Sehnenverlauf bei Muskelanspannung weiter (Abb. 2).

Therapeutisch kommen je nach Lokalisation, Schwere und zuk ünftiger Beanspruchung sowohl konservative als auch operative Maßnahmen in Frage.

2.3. Knorpelschaden

Aufgrund der schlechteren metabolischen Situation des Knorpels (keine Gefäße, Abhängigkeit von Druckdifferenzen, d. h. Be- und Entlastung während Bewegung) dauern Heilungsvorgänge lange, wobei ein morpho logisch und funktionell gutes Ergebnis zumindest unsicher bleibt.

2.3.1. Traumatische Chondropathie

Große äußere Gewalteinwirkungen, oft in Kombination mit knöchernen Frakturen, können zu Knorpelkontusionen (Entlastung über mehrere Wochen, funktionelle Übungstherapie) oder Knorpelfrakturen (operative Refixation oder Entfernung der abgesprengten Knorpelanteile) führen. Mitunter können Anbohrungen des knorpelnahen Knochens zur Bildung von faserigem Ersatzknorpel beitragen. Weitere Entlastung über mehrere Monate mit gleichzeitiger Bewegungstherapie ist indiziert.

2.3.2. Osteochondrosis dissecans (Gelenkmaus)

Dabei bewirkt eine Durchblutungsstörung des knorpelnahen subchondralen Knochens das Absterben und die Absprengung von Knorpel-/Knochenbruchstücken. Diese Dissekate können zu Einklemmungserscheinungen führen, die zu charakteristischen, nichtlokalisierbaren Schmerzen, zu sich wiederholenden Gelenkergüssen und gegebenenfalls zu Streck- und Beugehemmungen führen. Bestätigt wird die klinische Diagnose durch das Röntgenbild .

Meist ist eine frühzeitige Operation indiziert, wobei das Dissekat versuchsweise in der Gelenkfläche refixiert oder aber entfernt wird.

Bevorzugt sind jüngere Sportler, Prädilektionsstellen sind die mediale Femurrolle, das Ellenbogengelenk und das obere Sprunggelenk.

2.3.3. Arthrose

Sie ist definiert als eine vorwiegend mechanisch bedingte Schädigung eines Gelenks, die vom hyalinen Knorpel ausgeht und im weiteren Verlauf auf die Gelenkkapsel und den angrenzenden Knochen übergreift. Primär handelt es sich um einen degenerativen, gelenkinternen Prozess ohne systemischen Bezug. Als Ursache einer Arthrose kommt eine Vielzahl von Faktoren in Frage, so eine entzündliche, metabolische, genetische, hormonelle und/oder altersbedingte Dysfunktion des Gelenkknorpels (biochemische Ursachen) oder eine Überbelastung, Fehlbelastung oder Entlastung des Gelenks (biomechanische Ursachen).

Mechanische Überbelastungen von Gelenken gehören im Sport, ganz besonders im Leistungssport, zum Alltag. Selbst ein völlig gesundes Gelenk kann diesen Extrembelastungen auf Dauer mitunter nicht standhalten, um so mehr gefährdet sind verletzte, auch mikrotraumatisierte Gelenke.

Die häufigste Ursache von Arthrosen stellen allerdings Gelenkfehlstellungen (angeboren oder erworben) dar. Dazu gehören Abweichungen von Gelenkachsen, z. B. am Kniegelenk, Entrundungen des Hüftkopfes, z. B. bei Hüftdysplasie oder nach Frakturen, in Fehlstellung verheilte Schaftfrakturen und chronische Instabilitäten.

Als Ausdruck der Arthrose fasert der Gelenkknorpel auf. In den Randbereichen findet eine reaktive Knorpelverdickung mit Osteophytenbildung statt. Die Gelenkbeweglichkeit nimmt ab. Kommt eine Entzündung der zunächst schmerzfreien Arthrose hinzu (Synovialitis), spricht man von aktivierter Arthrose, welche zu zunehmenden subjektiven Beschwerden führt (Tab. VII).

Die Zielsetzung therapeutischer Maßnahmen bezieht sich auf die Schmerzbeseitigung, auf die Verringerung reaktiver Entzündungsvorgänge an der Synovialis und periartikulären Strukturen, auf die Inhibition gewebszerstörender Enzyme, auf die Normalisierung des Knorpelstoffwechsels, auf die Erhaltung bzw. Wiederherstellung einer ausreichenden Funktion, auf die Beseitigung von Muskelspasmen, Atrophien, Kontrakturen und Deformitäten, auf die Ausschaltung ätiologischer Noxen und auf die Verbesserung der Gelenktrophik.

Das erste und wichtigste Therapieprinzip bei Arthrose betrifft die Ausschaltung ätiologischer Noxen und präarthrotischer Deformitäten, unterstützt durch die Gabe nichtsteroidaler Antirheumatika.

Durch gezielte bewegungstherapeutische Maßnahmen lassen sich Muskelverspannungen lösen, die Beweglichkeit steigern sowie die für die Durchblutung und den Gelenkstoffwechsel wesentliche Wechseldruckbelastung fördern. Die für die Gelenkstabilisierung wichtigen Muskeln werden gekräftigt, Einschränkungen des Bewegungsausmaßes durch Verkürzungen und Kontrakturen des Kapselbandapparates durch gezieltes Stretching behoben.

2.4. Frakturen

Spitzenbelastungen im Sport führen zu hohen ossären Beanspruchungen, welche in aller Regel problemlos toleriert werden. Überbeanspruchungen können einerseits zu akuten Frakturen (bei starker äußerer Gewalteinwirkung), andererseits zu Stressfrakturen (bei dauernder langfristiger Überbelastung) führen. In beiden Fällen liegt eine Diskrepanz zwischen vorgegebener Beanspruchbarkeit und tatsächlicher Beanspruchungvor.

Sportartspezifische Frakturen sind in Tab. VIII aufgelistet. Problemfrakturen im Sport, welche leicht übersehen werden, sind in Tab. IX wiedergegeben.

Therapeutisch sollte bei jedem Frakturverdacht die verletzte Region sofort hochgelagert, gekühlt und ruhiggestellt werden, insbesondere im Extremitätenbereich. So schnell wie möglich ist eine Röntgendiagnostik durchzuführen und eine konservative bzw. operative Behandlung einzuleiten.

Bei Sportlern wird oft - im Gegensatz zu Nichtsportlern - das operative Vorgehen bevorzugt, einerseits aus Gründen der schnelleren Rehabilitation, andererseits um eine höchstmögliche Stabilität bei unveränderter Flexibilität zu gewährleisten.

Stressfrakturen spielen im modernen Leistungssport, aber zunehmend auch im Freizeit- und Breitensport, eine wichtige Rolle. Oft genug als Sehnenreizung verkannt, haben sie schon manchen Sportler unnötigerweise zur vorzeitigen Beendigung seiner Karriere gezwungen.

Besonders Leichtathleten sind von Stressfaktoren betroffen, vor allem Springer und Läufer, insbesondere bei bestimmten anatomischen Gegebenheiten (Beinlängendifferenz, Senkfuß, Spreizfuß, O-/X-Beinstellung im Kniegelenk) (Tab X). Röntgenaufnahmen lassen in den ersten drei bis vier Wochen kaum die richtige Diagnose erkennen(Abb. 3).

Die Schmerzsymptomatik steht in unmittelbarer Beziehung zur Intensität der körperlichen Beanspruchung. Typische Symptome sind der belastungsabhängige, meist stumpfe, vor allem nach Belastungsende auftretende Schmerz, ohne dass ein Trauma erinnerlich wäre, die langsame Zunahme des Schmerzes an Intensität und Dauer, das Abklingen der Beschwerden bei Schonung, die Ausstrahlung des Schmerzes sowie die Schwellung der Weichteile über dem betroffenen Knochen und die Überwärmung.

Die Therapie besteht vorrangig und primär in der Ausschaltung der auslösenden Ursache, beispielsweise Laufen, Springen usw. Alle Aktivitäten, welche Schmerzen auslösen, müssen vorübergehend unterlassen werden. Funktionelle Verbände, physiotherapeutische Maßnahmen sowie Gymnastik (Stretching, Augleich muskulärer Dysbalancen) sind in der Regel hilfreich. Vor Wiederaufnahme des speziellen sportartspezifischen Trainings ist eine Begutachtung von Sportschuhen, Sportgerät, Technik und eine orthopädische klinische Untersuchung zur Aufdeckung anatomischer Anomalien anzuraten.

2.5. Discopathien

Discen wie Meniscen dienen einerseits der Vergrößerung der verbindenden Flächen, andererseits setzen sie die Oberflächenreibung herab und reduzieren die Inkongruenz der artikulierenden Gelenkkörper.

Von Verletzungen intraartikulärer Disci sind vor allem das Schultereckgelenk, das ellenseitige Handgelenk und die Wirbelsäule (Bandscheiben) betroffen. Schädigungen der Menisci (Kniegelenk) reichen von der traumatischen Ruptur bis zum degenerativen, oft verkannten Aufbrauch.

Anamnestisch klagen die Patienten über Bewegungseinschränkungen bis zu rezidivierenden Blockaden, Reizergüsse und belastungsabhängige Schmerzen. Die klinische Diagnostik ist zu ergänzen durch einen deutlichen Druckschmerz über dem betroffenen Gelenkspalt.

Bei nachgewiesener Läsion und klinischer Symptomatik ist meist ein operatives Vorgehen indiziert, am Hand- und Kniegelenk vorzugsweise als Teilresektion.

2.6. Gelenkverletzungen

Sie gehören nicht nur zu den häufigsten Verletzungen im Sport, sondern in aller Regel auch zu den schwersten, indem das harmonische Zusammenspiel der verschiedenen, an dem Gelenkspiel beteiligten Strukturen (kongruierende Knochen, knorpelige Gelenkflächen, eventuell intraartikuläre Disci/Menisci, stabilisierende Bandstrukturen sowie innere und äußere Gelenkkapsel) gestört wird.

Die Zahl der beteiligten Strukturen sowie deren gegenseitige Beeinflussung gestalten die Diagnose oft schwierig. Auch die Rate an möglichen Komplikationen sowie Verwachsungen erhöht sich dadurch, welche letztlich zu Gelenksteife führen können. Zahlreiche Spätschäden lassen sich durch eine exakte Diagnose sowie eine gezielte funktionelle Therapie vermeiden.

2.6.1. Kapselbandverletzungen

Die Stabilität des Kapselbandapparates ist eine wesentliche Voraussetzung für eine einwandfreie und ungestörte Gelenkfunktion. Art und Ausmaß seiner Läsion werden sowohl vom Verletzungsmechanismus als auch durch die Anatomie und den Bewegungsumfang des betroffenen Gelenks bestimmt(Beispiele: Schultereckgelenk/Hüftgelenk).

Verletzungsanfällig sind vor allem Gelenke ohne wesentliche knöcherne Führung wie Ellenbogen-, Knie- und Sprunggelenk, so dass der Kapselbandapparat bei entspannter Muskulatur in bestimmten Phasen der Bewegungsführung bzw. in bestimmten Gelenkstellungen überfordert wird (Tab. XI). Für Diagnostik, Therapie und weitere Prognose empfiehlt sich eine Unterscheidung in Kapselbandverletzungen mit erhaltener Gelenkfunktion und solche mit gestörter Stabilität.

Erhalten bleibt die Stabilität bei Kontusionen und Distorsionen.

Eine Kontusion entsteht durch direkte stumpfe Gewaltanwendung (Schlag, Stoß, Sturz) oder auch indirekt durch fortgeleitete Gewalteinwirkung (Stauchung) mit Ödem- und Hämatombildung in der Umgebung. Ein Hämarthros ist durch Kapselrisse möglich. An Komplikationen sind chronische, rezidivierende Reizergüsse und Funktionseinschränkungen infolge Narbenbildung, zusätzliche Verletzungen (Knorpel, Menisci) und Vorerkrankungen (Arthrose) zu erwähnen. Häufige Lokalisationen sind Kniegelenk (Hechtbagger beim Volleyball, Sprungwurf beim Handball) und obere Extremitäten (Kampfsportarten, Skiabfahrt, Slalom).

Distorsionen werden durch indirekte Gewalteinwirkung mit der Folge eines unphysiologischen Bewegungsablaufs hervorgerufen, beispielsweise am Sprunggelenk durch Abknicken auf unebenem Boden. Es kommt zu einer Überdehnung des Kapselbandapparates, wobei auch Einrisse möglich sind. Klinisch imponiert der sofortige Schmerz mit zunehmender Schwellung, Hämatombildung, Funktionsbehinderung. Neben den Extremitätengelenken ist auch die Wirbelsäule gefährdet (HWS: Wassersprung, Ringen, Fußball, Judo, Boxen, Geräteturnen, Fosbury-Flop; LWS: Rudern, Trampolinspringen, Fosbury-Flop). Je nach Lokalisation und Schwere wird das betroffene Gelenk geschont und ruhiggestellt (Kompressionsverband mit Salbengrundlage, Tape-Verband, Schanz'-sche Krawatte, Kühlung). Die Sportfähigkeit ist meist innerhalb von 7 Tagen wieder gegeben, wenngleich leichtere Restbeschwerden noch bis zu mehreren Monaten bestehen können.

Kapselbandverletzungen mit nachfolgender Instabilität sind die Ruptur und die funktionelle chronische Instabilität. Sie betreffen vorwiegend den fibularen Bandapparat am Sprunggelenk, das vordere Kreuzband und das mediale Seitenband am Kniegelenk, das Lig. acromioclaviculare am Schultereckgelenk und das ulnare Kollateralband am Daumengrundgelenk (Skidaumen).

Je nach Ausmaß der Läsion ist eine Gelenkinstabilität (vermehrte Aufklappbarkeit) nachweisbar. Knöcherne Begleitverletzungen müssen ausgeschlossen werden. Die Zusammenhangstrennung des Kapselbandapparates kann partiell bzw. komplett, ansatznah oder mit knöchernem Ausriss sein. Die eigentliche Bandruptur ist nahezu immer mit einer Kapselläsion kombiniert.

Kommt es zu einer Defektheilung (ungenaue Adaptation der Bandstümpfe, narbige Überbrückung des Defektes, zu frühe Mobilisierung), entsteht ein Bandschaden.

Der Unfallhergang liefert meist wichtige Hinweise für die Diagnose, beispielsweise fibulare Kapselbandruptur (Supinationstrauma) nach Sprung beim Ballspiel durch Landung auf dem gegnerischen Fuß, Verletzung des medialen Kollateralbandes am Kniegelenk durch Pressschlag beim Fußball oder Ruptur des ulnaren Kollateralbandes am Daumengrundgelenk (Skidaumen) beim Sturz auf die den Skistock festhaltende Hand.

Die klinische Diagnostik der Kapselbandverletzungen bereitet mitunter erhebliche Schwierigkeiten, der Unfallhergang sollte deshalb immer nachvollzogen werden. Röntgenübersichtsaufnahmen (eventuell gehaltene Aufnahmen), Sonographie, Szintigraphie, Kernspintomographie und Arthrographie/-skopie erhärten die Diagnose. Für einen Bänderriss sprechen der typische Unfallhergang, Druckschmerzen im Bandverlauf, Gelenkinstabilität, Schwellung , Bluterguss und eventuell Funktions- und Dehnungsschmerz.

Die Therapie kann konservativ (Immobilisation) oder operativ (Bandnaht, Bandplastik) sein. Anzustreben ist die Stabilität der Gelenkführung als Voraussetzung für optimale Restitution und Prophylaxe von Knorpelschäden.

Die Frühoperation bei Läsion sportartspezifischer Gelenke bietet als Vorteile eine exakte Beurteilung des Ausmaßes, ein besseres funktionelles Ergebnis durch exakte Rekonstruktion der rupturierten Bänder und der Gelenkkapsel, eine Versorgung von mitbetroffenen Knorpeln, Discen, Meniscen sowie eine vollständige Beseitigung eines Hämarthros. Dadurch lassen sich die Rehabilitationsphase verkürzen, Immobilisationsfolgen vermeiden, eine ungestörte Gelenkmechanik erreichen und eine schnelle Wiederaufnahme des Trainings sichern.

Eine chronische Instabilität führt demgegenüber zu einer progressiven Knorpeldestruktion, wobei das Ausmaß einerseits vom Grad der Instabilität und andererseits von der Gelenkbeanspruchung abhängt. Weitere Folgen können eine schmerzbedingte Immobilisierung, Muskelatrophie, rezidivierende Distorsionen, Subluxationen, Reizergüsse und zunehmende Arthrose sein.

2.6.2. Luxationen

Dabei ist die Kontinuität der miteinander gelenkenden Knochen aufgehoben. Der Kapselbandapparat ist in aller Regel mitbetroffen. Zu unterscheiden ist zwischen kompletten und inkompletten Luxationen einerseits, zwischen traumatische n, rezidivierenden (infolge posttraumatischer Instabilität) und habituellen (infolge allgemeiner ligamentärer Insuffizienz) Luxationen andererseits.

Die häufigsten traumatischen Luxationen betreffen Schultergelenk, Schultereckgelenk, Ellenbogengelenk, distales Radioulnargelenk, Fingergelenke, Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel, oberes Sprunggelenk und Zehengelenke (Tab. XII).

Habituelle Luxationen kommen am Schulter- und Schultereckgelenk , am Daumengrundgelenk und am Gelenk zwischen Kniescheibe und Oberschenkel vor.

Charakteristische subjektive Symptome sind Schmerzen, Schwellung und Funktionsstörung, klinisch stehen die Verformung und Fehlstellung der gelenkenden Knochen, die federnde Fixation und die leere Gelenkpfanne im Vordergrund. Die Sicherung der Diagnose hat röntgenologisch zu erfolgen, nach erfolgreicher Reposition sind Kontrollaufnahmen erforderlich. In komplizierten Fällen (Luxationsfrakturen) empfiehlt sich das operative Vorgehen, um eine störungsfreie Gelenkmechanik zu erreichen.

2.7. Bursitiden

An knöchernen Strukturen schützen Schleimbeutel Sehnen, Muskeln und Haut vor übermäßiger Reibung. Ihre Reizung erkennt man an der (fluktuierenden) Schwellung, der Rötung und Überwärmung sowie dem ausgeprägten Belastungsschmerz. Liegt ein akutes Trauma, beispielsweise infolge eines Sturzes vor, sollte eine Abpunktion bzw. eine operative Entfernung erfolgen, ansonsten genügen eine vorübergehende Ruhigstellung im entlastenden Salbenverband und mehrmals tägliche Kühlungen.

Bei wiederholter Reizeinwirkung (beispielsweise Sportschuhe) kann eine chronische Bursitis entstehen, gekennzeichnet durch eine Wandverdickung und die Einlagerung einer gallertartigen Flüssigkeit, von Kalzium und Fibrin. Therapeutisch stehen die Beseitigung der Ursache (beispielsweise durch eine Polsterung im Sportschuh), die Abpunktion, die Infiltration einer Kombination von Lokalanaesthetikum und einer kristallinen Corticoidsuspension sowie ein Druckverband für mehrere Tage im Vordergrund.

2.8. Erste-Hilfe-Ausrüstung

Während des Trainings und bei Wettkämpfen sollte in sportlichen Einrichtungen immer ein Notfallkoffer mit einer medizinischen Grundausrüstung verfügbar sein. Betreuende Physiotherapeuten und Ärzte sollte n darüberhinaus noch eine ausreichende Menge zusätzlicher Ausrüstungsmaterialien zur Hand haben, um gegebenenfalls (vorläufige) Diagnosen stellen und (erste) therapeutische Schritte in die Wege leiten zu können.

Folgende Materialien stellen die Grundausrüstung (erforderliches Minimum ) dar (Tab.XIII). Sie sollten in einem Sportclub verfügbar sein und einer routinemäßigen Kontrolle unterliegen.

Betreuende Physiotherapeuten und Ärzte werden in aller Regel ein zusätzliches Notfall-Set in ihrer Notfalltasche mit sich führen (Tab. XIV).

Für extreme Bedingungen (beispielsweise große Hitze, große Kälte, intensive Ausdauerbelastungen) sollten intravenöse Infusionslösungen sowie erforderliche Geräte für Beatmung und Wiederbelebung bereitstehen. Auch ist für ausreichende Flüssigkeitssubstitution Vorsorge zu treffen.

In großen Sportzentren wären darüber hinaus Tragen, Decken, aufblasbare Schienen sowie verstellbare Gehschienen zur Erstversorgung von Verletzten, vor allem auch deren Transport in entsprechende Einrichtungen wünschenswert.

3. Spezielle Traumatologie

Zahlenmäßig stehen Verletzungen und Fehlbelastungen der oberen und unteren Extremitäten weit im Vordergrund. In den seltensten Fällen ziehen sie allerdings eine Lebensgefahr nach sich. Demgegenüber ist bei Kopfverletzungen stets an die auch noch nach Tagen oder Wochen möglichen und oft lebensbedrohlichen Komplikationen zu denken.

Im Prinzip ist eine Schematisierung aller möglichen Verletzungen und Überlastungen nach Sportarten oder nach anatomischen Gesichtspunkten denkbar. Beide Möglichkeiten weisen Vor- und Nachteile auf (Wiederholungen, Theorielastigkeit), im internationalen Vergleich sind beide Vorgehensweisen realisiert. Für diese Zusammenstellung wird eine topographiebezogene Darstellung bevorzugt, wobei eine Konzentration auf sporttypische Verletzungen/Überlastungen erfolgt.

3.1. Kopf

Die feste, knöcherne Schädelkapsel umschließt das Gehirn und weitere lebenswichtige Organe. Obwohl Verletzungen das Gesicht entstellen, zu bleibenden Behinderungen führen und tödlich sein können, werden noch immer Gebissschutz (Boxen), Schutzbrille (Fechten) und Kalottenschutz (Radfahren) zu häufig abgelehnt. Ein hart geschlagener Ball (Hockey/Fußball) kann den ungeschützten Kopf mit raketenartiger Wucht treffen. Kopf- (und Hals-) verletzungen können sehr schwerwiegend sein, insbesondere wenn es zur Blutung aus Ohren und/oder Augen sowie Nase kommt, wenn Taubheit bzw. Parästhesien in den Extremitäten auftreten oder wenn sich Lähmungen einstellen. Der verletzte Sportler darf bei diesen Komplikationen auf keinen Fall von Laien bewegt werden, ärztliche Hilfe ist zu holen.

3.1.1. Commotio cerebri

Als Ursache sind vor allem Schläge gegen den Kopf (Boxen, Zusammenprall, Fußball), Rasanzsportarten (Skiabfahrt, Motorrad, Radfahren, Fallschirm) und Abstürze (Gebirge, Geräteabgang, Reiten) zu erwähnen.

Der plötzliche Stopp des beschleunigten Schädels bewirkt eine Kompression des Gehirns gegen die vordere innere Schädelwand, anschließend kommt es zu einer Rückwärtsbewegung gegen die hintere innere Schädelwand.

Resultat kann eine mehr oder minder starke Funktionsstörung des Hirnstamms und anderer Hirnteile sein, die zu charakteristischen subjektiven und objektiven Befunden führt.

Symptome sind 'glasige' Augen, Bewusstlosigkeit bis maximal 15 Minuten, Erinnerungslücken, Schwindel, Kopfschmerzen, Brechreiz bis Erbrechen. Die genaue Diagnose ist vom Neurologen, Radiologen, Ophtalmologen und Hals -Nasen-Ohren-Arzt zu stellen.

Die Therapie besteht in der Regel in einer mehrtägigen ambulanten oder - bei entsprechender Symptomatik - stationären Beobachtung zum Ausschluss eines sich entwickelnden subduralen Hämatoms, in Bettruhe und Gabe von Sedativa/Antiemetica nach Bedarf. Die Trainingspause sollte eine Woche nicht unterschreiten, in vielen Fällen wird sie bis zu drei Wochen dauern, woran sich eine langsame Wiederaufnahme und Steigerung des Trainingsumfangs anschließt.

3.1.2. Augenverletzungen

Sie kommen entweder durch direkten Schlag auf das Auge (wie Boxen, Squash) oder durch chemische bzw. thermische Reizung (Chlor, Sonne) zustand .

Ist die Cornea verletzt, kann sie mit einem Oberflächenanaesthetikum betäubt werden. Große Verletzungen müssen steril abgedeckt werden, wobei der Verband feucht gehalten werden sollte. Bei allergischen Reizungen sind Cortisontropfen zu vermeiden, um keine bakterielle n Infektionen bzw. Mykosen zu provozieren. Eine längerdauernde Reizung bedarf einer fachärztlichen Konsultation.

Am häufigsten ist die Cornea, der durchsichtige zentrale Augenanteil betroffen, welcher die Iris überdeckt. Solche Verletzungen können beispielsweise durch Fingernägel ausgelöst werden. Subjektiv entsteht das Gefühl von 'Sand -im-Auge', meist ist der Tränenfluss verstärkt. Ärztliche Begutachtung ist zu empfehlen, um dauernde Sehschäden zu verhindern.

Blutungen in die vordere Augenkammer werden hervorgerufen durch einen Schlag mit einem dumpfen Gegenstand (Tennisball). Die entstehende Blutung wird als Flüssigkeitsspiegel zwischen Iris und Cornea am Boden der vorderen Augenkammer sichtbar(Abb. 4). Therapeutisch ist sofortige Ruhigstellung und Kälteanwendung indiziert. Wegen einer möglichen Fraktur des inneren Orbitabodens ist ein Ophtalmologe hinzuzuziehen.

3.1.3. Nasenverletzungen

Nasenblutungen entstehen meist durch direkte Gewalteinwirkung (Schlag, Sturz), mitunter bei erhöhtem Blutdruck und bei Erkältungen sowie Allergien. Die Behandlung erfolgt in der Regel durch eine Tamponade, durch Kompression der Nasenflügel bei Rückwärtsneigung des Kopfes oder durch eine kalte Auflage im Nackenbereich. Ein Nasenbeinbruch sollte ausgeschlossen werden.

Unter Boxernase wird eine bleibende Deformierung nach wiederholten Prellungen des Nasenbeins und des Nasenknorpels verstanden, wobei oft auch Nasennebenhöhlen, Jochbein und die knöchernen Augenhöhlen einbezogen sind. Anatomisch kommt es zu Einblutungen in die Knorpelsubstanz, welche zu leistungsbeeinträchtigenden Atembehinderungen und zu rezidivierenden Nasen-/Racheninfektionen führen können. Therapeutisch stehen Kompression und Eisauflagen im Vordergrund. Bei röntgenologischer Bestätigung von Frakturen ist an eine operative Korrektur zu denken.

3.1.4. Ohrenverletzungen

Bei allen Wassersportarten kommen häufig Reizungen und Entzündungen des äußeren Gehörgangs vor (Schwimmerohr, Surferohr). Subjektiv imponieren Ohrenschmerzen, objektiv findet sich ein geröteter äußerer Gehörgang. Auslösend sind Feuchtigkeit, Chlor, Kälte, Zugluft. Therapie: Gutes Abtrocknen, Ohrenstöpsel, antibiotische und cortisonhaltige Ohrentropfen.

Unter Blumenkohlohr (Ringerohr ) wird die Deformierung der Ohrmuschel nach wiederholten Einblutungen zwischen Knorpelhaut und Knorpel infolge Quetschungen und Abscherungen verstanden. Die frische Einblutung ist schmerzhaft und kann mitunter zu Verlegungen des äußeren Gehörgangs mit der Folge von Schwerhörigkeit führen. Therapeutisch kommen eine Abpunktion, Kühlung und Druckverband, letztlich auch eine operative Hämatomausräumung in Frage.

Ohrenschmerzen bei Druckveränderungen kennzeichnen das Taucher-/Fliegerohr. Oft liegt ein Tubenkatarrh zugrunde, der den Druckausgleich unmöglich macht. Die Therapie entspricht den Prinzipien bei Ohr-Erkältungen (Nasentropfen, Antibiotica, Gefahr einer Trommelfellperforation). Wert ist auf den richtigen Druckausgleich zu legen.

3.2. Wirbelsäule

In der täglichen sportmedizinischen Praxis treten Wirbelsäulenbeschwerden durch Funktionsstörungen von Bandscheiben eher selten auf. Meist dominieren andere Faktoren als Ursache, welche sich durch gezielte Diagnostik zu erkenne n geben. Bei einer segmentalen Irritation (Segmentstörung) können alle zum Segment gehörenden Anteile(Muskeln, Sehnen, Bänder, Nerven, Bindegewebe, Haut) die Ursache darstellen oder zumindest mitbetroffen sein. Bei Kälte wird die Haut, bei einem Trauma das Bindegewebe, bei Überlastung die Muskulatur, bei Entzündung bestimmte Nerven involviert.

Auch im Sport erhalten neben den akuten Wirbelsäulenbeschwerden die chronischen Wirbelsäulensyndrome zunehmende Bedeutung.

Bezüglich der Schmerzsymptomatik lassen sich radikuläre Schmerzen von Projektionsschmerzen und pseudoradikulären Schmerzen unterscheiden. Erstere entstehen bei Schädigung der Leitungsbahn zwischen Rezeptor und Rückenmark-Hinterhorn (Bandscheibenvorfall). Der Schmerz wird nicht am Ort der Schädigung, sondern im Versorgungsgebiet des Nerven verspürt. Durch komplexe Verschaltungen ist jeder Hautprojektionszone ein inneres Organ zugeordnet, so dass entsprechende Schmerzprojektionen ubiquitär erfolgen. Pseudoradikuläre Schmerzen beruhen nicht auf Kompression/Verdrängung von Nerven, sondern auf einer Reizung von Rezeptoren in Haut, Muskeln oder Gelenken.

3.2.1. Akutes HWS-Syndrom

Als Auslöser kommen Kältereizung, akute und chronische muskuläre Überbeanspruchung, traumatische Ereignisse (Schlag, Sturz), Hypermobilität und Bandscheibenschäden in Frage. Subjektiv dominieren eine Bewegungseinschränkung, Schmerzausstrahlung bis in den Hinterkopf und die Schulter sowie Verspannungen. Zum Ausschluss von Knochenerkrankungen (Tumor) empfiehlt sich eine Röntgenaufnahme. Therapie der Wahl sind eine Schanz'sche Krawatte, abschwellende und entzündungshemmende Medikamente, Kurzwelle und warme Packungen, später Manualtherapie und detonisierende Elektrotherapie (Abb. 5).

3.2.2. Akutes BWS-Syndrom

Meist liegt eine Blockierung eines bzw. mehrerer Wirbelgelenke vor. Ursachen sind muskuläre Dysbalancen, Hypermobilität oder degenerative Veränderungen, Auslöser kleine Fehlbewegungen bis zu Traumen. Subjektiv imponieren plötzlich auftretende segmentale Schmerzen, deutliche Bewegungseinschränkungen, eventuell Atemminderungen und Brustenge. Diagnostisch helfen Röntgenaufnahmen (Ausschluss eines knöchernen Prozesses) und EKG (Ausschluss einer kardialen Symptomatik) weiter. In akuten Fällen führt die Manualtherapie zu einer deutlichen Besserung der Symptomatik; Wärme, Elektrotherapie und detonisierende Maßnahmen wirken unterstützend. Ohne frühzeitige therapeutische Intervention ist mit einer Ausbreitung der zunächst lokal begrenzten Blockierung und mit einer längeren Behandlungszeit (Elektrotherapie, schmerz- und entzündungshemmende Medikamente, Wärme, eventuell gezielte Infiltration in die muskulofaszialen Triggerpunkte) zu rechnen.

3.2.3. Akutes LWS-Syndrom

Mit einer Häufigkeit von etwa 60 Prozent stellen sie die mit Abstand häufigsten Wirbelsäulenaffektionen bei Sportlern dar. Auslösend wirken Kälte, akute Überlastungen, Schlag, Sturz, Überbeweglichkeit sowie vorbestehende degenerative Diskusschädigungen. Subjektiv empfinden die Betroffenen einen dumpfen Kreuzschmerz, der in die Gesäßregion bzw. den Unterbauch ausstrahlt, deutliche Bewegungseinschränkungen, eine auffallende Schiefhaltung der LWS und eine Verschlimmerung der Beschwerden gegen Morgen. Objektiv imponieren vor allem die Schonhaltung der Wirbelsäule mit einer Aufhebung der Lendenlordose sowie eine Funktionseinschränkung mehrerer Wirbelgelenke. Die Therapie gestaltet sich wie beim akuten BWS-Syndrom. Bandscheibenvorfälle sind selten traumatisch bedingt (Rasanztraumen), meist entstehen sie aufgrund degenerativer Veränderungen, welche bei bestimmten Sportarten bei gleichzeitiger individueller Disposition (relative Minderbelastbarkeit) und langfristiger Fehlbelastung (Turnen, technische Disziplinen in der Leichtathletik) durchaus möglich sind.

3.2.4. Frakturen/Luxationen/Luxationsfrakturen

Abrissfrakturen der Dornfortsätze , vor allem C7, können bei Werfern und Handballspielern auftreten, vorwiegend nach unkontrolliert ablaufenden Bewegungen (Abblocken beim Wurf). Eine aktive Therapie ist meist nicht erforderlich.

Querfortsatzfrakturen werden überwiegend im LWS-Bereich beobachtet (Stress, Schlag, Zugwirkung beim Abfangen eines Sturzes durch abrupte Körperbewegung). Klinisch imponieren ein heftiger Bewegungs- und lokaler Druckschmerz. Begleitverletzungen von Nieren und Abdominalorganen sind auszuschließen. Die Therapie ist konservativ (Bettruhe, Schmerzmittel).

Wegen möglicher Komplikationen hinsichtlich der späteren statischen und dynamischen Belastbarkeit sowie der Einbeziehung von Rückenmark und Nervenwurzeln in das Trauma sind Frakturen, Luxationen und Luxationsfrakturen von Wirbeln immer als potentiell schwere Verletzungen einzustufen. Frakturen treten meist zwischen BWS11 und LWS , Luxationsfrakturen im HWS-Bereich auf. 8 Prozent haben Querschnittsläsionen2 zur Folge. Die Diagnose wird meist röntgenologisch, tomografisch oder kernspintomografisch gestellt. Die Art der Therapie (operativ, konservativ) hat sich nach der Lokalisation, dem Ausmaß des Achsenknickes und der Präsenz neurologischer Symptome zu richten. Bei Kompressionsfrakturen von HWS-Wirbelkörpern wird die primäre Operation bevorzugt, von BWS- und LWS-Wirbelkörpern ohne neurologische Zeichen und bei geringeren Achsenknicken die funktionelle Therapie mit aktiver Kräftigung der Rückenstrecker und frühzeitiger Mobilisierung. Luxationen und Luxationsfrakturen führen nahezu immer zu Diskuszerreißungen, mögliche Ursache von Rückenmark- und Wurzelkompressionen (je nach Befund Versuch der Reposition bis Operation). Die Querschnittlähmung nach HWS-Läsion stellt die häufigste Ursache von tödlichen Sportverletzungen dar.

3.2.5. Morbus Scheuermann

Wachstumsstörungen der Wirbelkörperrandleisten sowie im Deckplattenbereich führen beim M. Scheuermann zu charakteristischen Wachstumsstörungen (Abb.6): Keilwirbelbildung mit eventueller Kyphosierung, unregelmäßige Abschlussplatten, Schmorl'sche Knötchen, Wirbelkantenabtrennung. Betroffen sind vorwiegend männliche Jugendliche zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr im oberen BWS- bis oberen LWS-Bereich. Im allgemeinen klagen die Betroffenen nicht über Schmerzen; wenn solche auftreten, ist vor allem der thorakale Abschnitt der Wirbelsäule nach Belastung betroffen, oft verstärkt durch eine ins uffiziente Rückenmuskulatur. Klinisch fallen der Rundrücken, eine Einschränkung der Rückwärtsneigung der Wirbelsäule und ein Hartspann der regionalen Muskulatur auf. Im Vordergrund der therapeutischen Bemühungen steht die gezielte Kräftigung von Rücken-, Brust- und Bauc hmuskulatur. Rückenbelastende Sportarten sollten gemieden werden (Turnen, Gewichtheben, Trampolin, Rudern), Gymnastik und Schwimmen sind indiziert.

3.2.6. Spondylolyse/Spondylolisthese

Bei der Spondylolyse handelt es sich um eine Spaltbildung im knöchernen Zwischengelenkstück der Wirbelbögen, welche zu einem Abgleiten des oberen über den unteren Wirbel nach ventral führen kann (Spondylolisthesis) (Abb. 7). Die Lyse erzeugt zunehmend unspezifische, belastungsabhängige Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und eine fixierte Lordose, neurologische Symptome fehlen meist. Betroffen sind überwiegend die LWK 1-5, die Listhese erfolgt in der Regel zwischen L5 und S1. Die Diagnose ergibt sich klinisch durch die palpable Stufenbildung, röntgenologisch durch die spaltförmige Unterbrechung und die WK-Verschiebung. Die Häufigkeit beträgt in bestimmten Disziplinen bis zu 50 Prozent (Speerwerfen, Turmspringen, Turnen, Trampolin), weit mehr als in der Allgemeinbevölkerung (etwa 10 Prozent). Eine Prophylaxe ist kaum möglich, die Therapie besteht vor allem in aktiven Maßnahmen (Krankengymnastik und Bewegungstherapie), unterstützt durch Wärme, Massagen und Elektrotherapie, nur in Ausnahmen in einer operativen Stabilisierung.

3.2.7. Typische Sportverletzungen und Sportschäden

In einigen Sportarten häufen sich bestimmte Verletzungen/Schäden, so dass sie als typisch bezeichnet werden.

Der Fechterbuckel entsteht durch asymmetrische Überlastungen der Wirbelsäule. Die typische Körperhaltung (einseitiges Halten der Waffe) führt zu einer Schwerpunktverlagerung und seitlichen Abweichung der WS mit allmählichem Umbau der Wirbelkörper. Bleibende Fehlstellungen mit muskulären Überlastungen und Diskusprolaps sind möglich. Therapeutisch empfiehlt sich neben physiotherapeutischen Maßnahmen eine gezielte Ausgleichsgymnastik, in schweren Fällen eventuell eine Korsettbehandlung und Krankengymnastik.

Bei 'Golfer's back pain' stehen Rückenbeschwerden im Vordergrund, verursacht durch die hohe Torsionsbeanspruchung der LWS. Auslösend sind Bandscheibenschäden, Bandscheibenvorfälle mit Nervenschädigungen, Abnutzung von Wirbelbogengelenken und eventuell Osteoporose.

Peitschenschlagverletzungen (Schleudertrauma der HWS) treten im Autorennsport, in den Kontakt- und Kampfsportarten auf. Zugrunde liegt eine plötzliche Beschleunigung oder Abbremsung von Kopf und/oder HWS bei einem Aufprall, welche zu Rupturen von Gelenkkapseln, Bändern sowie zu Schädigungen von Nerven und Gefäßen führen können. Subjektiv imponieren in den Schultergürtel und in die Arme ausstrahlende Schmerzen, Kopfschmerzen und Übelkeit. Therapeutisch wirksam ist eine Immobilisierung der HWS sowie Krankengymnastik.

Unter Turnerrücken werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst, welche sich bei bestimmten Sportarten (Turnen) häufen, vor allem die juvenile Osteochondrose (Morbus Scheuermann, S. 3.2.5.) und die Spondylolyse/Spondylolisthese (3.2.6.).

3.3. Thorax

Unter den typischen Verletzungen des Thorax sind besonders Kontusionen und Frakturen einzelner Rippen durch Schlag, Sturz und Zusammenprall zu nennen, vorrangig bei Kampfsportarten, beim Rad- und Motorradsport, beim Reiten, beim Schlittensport und beim Skiabfahrtslauf.

Seltener sind Frakturen mehrerer Rippen (Serienbrüche) sowie offene und geschlossene Thoraxverletzungen ohne und mit Komplikationen (Pneumothorax, Hämatotho rax, Verletzungen der Lungen, Verletzungen der großen Gefäße, Verletzungen des Herzens), auftretend bei Rasanztraumen (Motorrad, Reiten, Skiabfahrtslauf, Schlittensport, Bergsteigen) und bei Pfählungsverletzungen (Skisport, Speer).

Bei den Fehlbelastungsschäden im Bereich des knöchernen Thorax handelt es sich in aller Regel um Insertionstendopathien am Ursprung bzw. Ansatz von Brust- und Bauchmuskeln, vor allem beim Turnen, Gewichtheben, Tennis, Rudern, Kanusport und Skilanglauf.

3.3.1. Kontusionen/Frakturen

Zusätzlich zu kleinen Hämatomen der Knochenhaut und der Zwischenrippenmuskulatur frakturieren bei zunehmender Gewalteinwirkung eine oder mehrere Rippen, welche durch scharfe Kanten weitere Verletzungen (Eindringen von Luft und/oder Blut in den Brustkorb, Aufspießen intrathorakaler Organe) hervorrufen und im Extremfall zu schweren Behinderungen von Atmung und Herzfunktion führen können (Abb. 8). Die Diagnose wird röntgenologisch gestellt. Klinisch sind Pneumo- und Hämatothorax, gegebenenfalls Komplikationen durch Puls -, Blutdruck- und EKG-Kontrollen auszuschließen.

Bei Rippenprellungen sind therapeutisch schmerzstillende Medikamente und ein fixierender Verband in Exspirationsstellung mit Salbengrundlage indiziert, eine Sportpause ist meist nicht nötig. Bei Rippenfrakturen verlängert sich die Immobilisation in Abhängigkeit vom Befund.

Die eventuell notwendige Erste Hilfe am Unfallort (bei Komplikationen) bezieht sich auf die Stabilisierung von Kreislauf und Atmung (Handtuchverband, Entlastung eines Ventilpneumothorax durch Einstechen einer dicken Kanüle, bei offenem Pneumothorax Aufkleben luftdichten Materials) und auf die Schmerzlinderung (allerdings ohne atemdepressive Wirkung).

3.3.2. Typische Sportverletzungen

Beim Ruderkrebs liegt eine Prellung der Bauchmuskulatur und der Bauchorgane und/oder des Thorax mit den Brustorganen durch einen Riemen vor, wenn das Ruderblatt nach dem Durchziehen nicht rechtzeitig aus dem Wasser gezogen und nach vorne gedrückt wird. Eventuell ist eine stationäre Überwachung in die Wege zu leiten.

3.4. Schultergürtel

Sportverletzungen am Schultergürtel betreffen direkt und/oder indirekt Muskulatur, Knochen und Gelenk. Direkte Traumen (Schlag, Sturz) führen zu Frakturen von Scapula bzw. Clavicula oder sprengen das innere bzw. äußere Schlüsselbeingelenk. Im Extrem- fall kann es zu Armplexuslähmungen kommen (Motorsport, Radrennsport, Skiabfahrtslauf). Häufiger erfolgen die Traumen indirekt durch Sturz auf den vorgestreckten Arm (Claviculafraktur). Als Fehlbelastungsfolgen kommen Insertionstendopathien (Coracoiditis), periartikuläre Schmerzzustände (Periarthropathia humeroscapularis, Arthrose) und Myogelosen vor.

3.4.1. Claviculafraktur

Sie tritt häufig, bevorzugt bei Kindern und Jugendlichen, auf, ausgelöst durch Schlag, Stoß oder indirekt durch Sturz auf Schulter, Ellenbogen oder den ausgestreckten Arm. Subjektiv imponieren akute Schmerzen, vor allem starke Bewegungsschmerzen, Unmöglichkeit der weiteren Sportausübung und mitunter eine Stufen- oder Knickbildung. Röntgenaufnahmen sichern die Diagnose (Abb. 9). Die überwiegende Mehrzahl der Frakturen kann konservativ versorgt werden (Reposition, Rucksackverband). Bei Kindern ist sportliche Betätigung nach 4 Wochen wieder möglich, bei Erwachsenen sollte die volle Belastbarkeit nach ca. 4 Monaten wieder gegeben sein.

3.4.2. Scapulafraktur

Sie sind eher selten. Ursache sind direkte Gewalteinwirkungen, insbesondere Sturz und Schlag. Betroffen sind Skiabfahrtslauf, Reiten, Motorradsport, Judo. Funktionell sind die Frakturen meist bedeutungslos. Nur in wenigen Fällen muss operiert werden.

3.4.3. Verletzungen des Acromioclaviculargelenks

Schmerzen in diesem Gelenk können einerseits durch Überbeanspruchung aufgrund der großen Druck- und Scherkräfte bei Turnern, Werfern und Golfern auftreten. Verletzungen des AC-Gelenks sind relativ häufig, meist durch Sturz auf den ausgestreckten leicht abgespreizten Arm oder auf die Schulter (Kampfsportarten, insbesondere Judo; Skiabfahrt, Reiten, Radsport, Motorradsport). Nach TOSSY werden drei Schweregrade unterschieden.
  • Tossy I: Distorsion mit Kapseleinrissen und Blutung ins Gelenk, jedoch ohne Bandruptur
  • Tossy II: Subluxation mit Kapsel- und Bandrupturen, geringe Verschiebung des Clavicula-Endes
  • Tossy III: Komplette Luxation mit vollständiger Ruptur aller Ligamente (Lig. acromioclaviculare, Lig. coracoclaviculare), starke Verschiebung des Clavicula- Endes, Klaviertastenphänomen.
Subjektiv besteht bei Tossy I ein schmerzhafter Bogen zwischen 160 und 180°, wobei die stärksten Schmerzen durch das passiv durchgeführte, seitliche Hochheben und die horizontale Adduktion des Armes auftreten. Bei Grad II und III verstärken sich die Beschwerden bis zur aktiven Immobilisierung. Die Therapie besteht, nach röntgenologischer Absicherung der Diagnose, in Kälteanwendung, Ruhigstellung, Elektrotherapie, lokaler Infiltration und manueller Therapie (Tossy I, II) bzw. Operation (Tossy III).

3.4.4. Schulterluxation

Die traumatische Schulterluxation stellt die häufigste sportbedingte Luxation dar. Betroffen sind vor allem Kampf- und Wurfsportarten, beispielsweise Sturz auf den ausgestreckten Arm oder gewaltsames Überreißen des nach außen gedrehten und angehobenen Arms. Meist erfolgt die Verrenkung nach vorn. Je nach Schwere kommt es zu einem Riss der Kapsel, zur Verletzung der umgebenden Muskulatur, zur Schädigung des knorpeligen Labrum glenoidale, zum Abbruch eines Teils des Pfannenrandes und/oder zur Impression des Gelenkkopfes. Subjektiv stehen akute stechende Schmerzen im Schultergelenk, Unmöglichkeit der aktiven Armhebung und der starke Bewegungsschmerz im Vordergrund. Klinisch imponieren die leere Gelenkpfanne und die auffällige äußere Seitendifferenz zwischen rechts und links. Die Reposition ist so schnell wie möglich anzustreben, jedoch erst nach Überprüfung der Durchblutung und Sensibilität des Armes, um Gefäß- und Nervenläsionen erkennen und sofort behandeln zu können. Eine Röntgenaufnahme vor, in jedem Fall aber nach Reposition soll knöcherne Verletzungen ausschließen und den Erfolg dokumentieren. Manche Therapeuten ziehen das operative Vorgehen vor, insbesondere bei jungen Menschen mit erstmaliger Luxation. Eine habituelle Luxation liegt vor bei Luxationstendenz bei angeborener Schwäche von Bändern oder Muskeln sowie bei anatomischen Fehlbildungen der gelenkenden Strukturen. Wenn weitere Sportausübung geplant wird, ist eine operative Versorgung vorzuziehen.

3.4.5. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Bodybuilder Neuropathie:
Auch unter Powerlifter Neuropathie, Klimmzuglähmung, Rucksacklähmung, Tornisterlähmung bekannt. Chronische Druckschädigung des oberen Armplexus bzw. der abgehenden peripheren Nerven. Durch Druck von außen (Gewichte, Gurte) sowie durch chronische Zerrungen oder muskuläre Überbeanspruchungen kommt es zu Irritationen der Schultermuskulatur (Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Lähmungen). Betroffen sind vor allem der N. thoracicus longus (Schwäche beim Armanheben) und der N. suprascapularis (lokale Schmerzen am Oberrand der Scapula, Schwäche beim Armanheben und -abspreizen). Therapeutisch sind Entlastung, Schonung, Medikamente und Physiotherapie indiziert.

Burner Syndrom:
Auch als Stinger Syndrom bekannt. Betroffen ist das Nervengeflecht des Oberarms, welches durch Überdehnung geschädigt wird, vorwiegend in Kontaktsportarten. Subjektiv imponieren brennende Schmerzen sowie Paraesthesien im Bereich von Schulter und Oberarm, meist nach Schlag auf den Kopf oder Stoß. Die Therapie der Wahl besteht in vorübergehender Immobilisierung und intensiver Physiotherapie.

Dead Arm Syndrom:
Bekannt auch als Schwimmerschulter, Tennisschulter, Volleyballschulter und Werferschulter. Zugrunde liegt immer ein ähnlicher Mechanismus, die Überkopfarbeit, eine Summation von häufig wiederkehrenden Mikrotraumen bzw. Überdehnungen und Überlastungen, welche zu einer Schädigung wichtiger Schultergelenksstabilisatoren (Kapseln, Bänder, Muskeln) führen. Bei bestimmten Bewegungen können Verlagerungen

des Humeruskopfes aus der Gelenkpfanne bis zur Subluxation erfolgen. Subjektiv imponieren meist heftige Schmerzen, evtl. längerdauernde Lähmungserscheinungen bis in die Finger, wofür die gleichzeitige Zerrung bzw. Kompression der dort verlaufenden Nerven verursachend wirkt. Therapeutisch empfiehlt sich konservatives Vorgehen (Auftraining der umgebenden Muskulatur), bei weiterbestehenden Beschwerden kann eine Raffung der Kapsel bzw. Muskulatur angebracht sein.

Football Schulter:
Verletzung des Schultereckgelenks, unterscheidbar nach 3 Schweregraden (Grad I: Verstauchung/Prellung ohne Gelenkinstabilität, Grad II: Ruptur des Kapselbandapparates, Subluxatio, Grad III: Läsion aller ligamentären Verbindungen zwischen Clavicula und Scapula). Vorkommen bei Football, Reiten, Ringen, Handball und Radsport. Äußerlich imponieren Schwellung und eventuell ein Klaviertastenphänomen, subjektiv stehen Schmerzen und Unmöglichkeit der Armerhebung über die Horizontale im Vordergrund. Therapeutisch ist die operative Versorgung empfehlenswert (Grad I) bis indiziert (Grad II-III).

Golferschulter:
Darunter wird eine entzündliche Reizung der langen Bizepssehne und ihrer Sehnenscheide in ihrer knöchernen Rinne am Humerus und im freien Verlauf durch das Schultergelenk bis zum Labrum glenoidale verstanden. Subjektiv stehen Funktions- und Belastungsschmerzen (Vorderseite des Humerus), vor allem bei Anheben und Drehen des Armes gegen Widerstand im Vordergrund. Therapeutisch indiziert sind physiotherapeutische Maßnahmen, Elektrotherapie und eventuell lokale Infiltrationen, evtl. auch operative Abtragung von entzündetem Sehnenscheidengewebe.

Hyperabduktionssyndrom:
Kompression von Nerven und/oder Gefäßen zwischen Processus coracoideus und M. pectoralis minor bei Belastungen in Überkopfstellung der Schulter. Subjektiv imponieren bis in die Hand ausstrahlende Schmerzen, Paraesthesien, Muskelschwächen, bei Kompression von Gefäßen Blutstau und Durchblutungsstörungen. Die Therapie reicht, je nach Schweregrad, von Schonung über Medikamente bis zu operativen Eingriffen.

Impingementsyndrom:
Auch als Ruptur bzw. Teilruptur der Rotatorenmanschette und Pseudoparalyse bekannt. Betroffen ist die gemeinsame Sehnenplatte der Mm. supraspinatus, subscapularis, infraspinatus und teres minor, welche das Schultergelenk muskulär stabilisieren, indem sie bei Anhebung des Armes über die Horizontale hinaus das Caput humeri in der Pfanne fixieren. Am häufigsten ist der M. supraspinatus durch Teilrupturen bzw. Rupturen traumatischer oder degenerativer Art geschädigt. Die Ursache ist in einer Störung der Blutversorgung infolge der funktionellen Enge zu sehen, welche zu Ödemen mit Mikroblutungen, fibrotischen Degenerationen, Teileinrissen bis zu totalen Rupturen führen. Subjektiv imponieren ein stechendes Schmerzgefühl in der Schulte r, eine Kraftlosigkeit, die Unmöglichkeit des seitlichen Armanhebens, insbesondere zwischen 80° bis 120°. Betroffen sind alle Sportarten mit extremen Abspreiz- und Drehbewegungen, so Kraul-, Delphin- und Brustschwimmen, und mit Überkopfbeanspruchungen (Tennis, Volleyball, Wurfsportarten). Rupturen sind operativ zu versorgen, Schwerpunkte der Behandlung degenerativer Veränderungen sind vor allem physikalische Anwendungen und Krankengymnastik, evtl. lokale Infiltrationen.

Krückenlähmung:
Radialisparese in der Achselhöhle durch akute oder chronische Druckschädigung, vor allem beim Barrenturnen auftretend. Subjektiv werden Schmerzen und Paraesthesien am Handrücken sowie Schwäche der Hand- und Fingerstreckmuskulatur angegeben. In aller Regel kommt es nach kurzzeitiger Schonung zu einer schnellen Besserung der Symptomatik.

Little League S houlder:
Verletzung bzw. chronische Überlastung der Wachstumsfuge zwischen Caput und Corpus humeri vor dem 15. Lebensjahr , auftretend vor allem in den Wurfsportarten. Die Schädigungen erstrecken sich von Lockerungen bis zum Abgleiten des Oberarmkopfes. Im Vordergrund der Beschwerden steht der Belastungsschmerz, an zweiter Stelle Funktionseinschränkungen der Schulter. Lockerungen der Wachstumsfuge, insbesondere ein Abgleiten des Oberarmkopfes, sowie Frakturen der Fuge machen eine operative Beseitigung der Fehlstellung und Fixierung des Caput humeri zwingend erforderlich.

Scalenus Syndrom (Thoracic Outlet Syndrom):
Einerseits durch Hypertrophie, andererseits durch Verkürzung der Mm. scalenus anterior und medius kann es zu einer Kompression des Plexus brachialis und/oder der A. subclavia in den Scalenuslücken zwischen Clavicula und Halsmuskulatur kommen, vorwiegend bei Kraftsportarten (Gewichtheben, Ringen, Bodybuilding). Typischerweise kommt es zu Schulterschmerzen und Sensibilitätsstörungen, welche bis in die Finger ausstrahlen. Als Therapie haben sich Schonung, Physiotherapie, Dehnungsgymnastik und physikalische Maßnahmen, bei Vorliegen von Halsrippen auch eine operative Beseitigung bewährt.

3.5. Obere Extremitäten


3.5.1. Ellenbogen und Unterarm

Verletzungen von Ellenbogen und Unterarm können in allen Sportarten vorkommen, einerseits als Unfall, andererseits als Überlastungsfolge. Die meisten traumatischen Ereignisse unterscheiden sich kaum von Verletzungen bei anderen Gelegenheiten (Frakturen, Luxationen). Um chronische Folgezustände mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zu vermeiden, gehören sie durch Spezialisten versorgt.

Akute Verletzungen des Ellenbogens treten im Sport eher selten auf, meist handelt es sich um Überlastungsschäden, vor allem in Wurfdisziplinen und Schlagsportarten. Prädisponierende Faktoren sind allgemeiner bzw. konstitutioneller Art (fehlende Eignung für die jeweilige Sportart, allgemeine Bandschwäche, fehlende körperliche Fitness, übertriebenes Training, ungeeignete Trainingsmethode und/oder falsche Technik) sowie gelenkbedingte Faktoren (angeborene bzw. erworbene Fehlstellungen, vorbestehende pathologische Veränderungen).

Unfälle führen dann zu Verletzungen, wenn die Krafteinwirkung auf den Arm (Teil der Gliederkette Schulter - Arm) die Widerstandskräfte der beteiligten Strukturen (Kapsel, Bänder, Sehnen, Knochen, Knorpel) übersteigt. Der wichtigste Schutzmechanismus dagegen ist das automatisierte unwillkürliche Zusammenspiel zwischen Agonisten und Antagonisten, welche das Gelenk bei Gewalteinwirkung in leichter Beugehaltung fixieren. Bei Störung des muskulären Gleichgewichts entsteht eine erhöhte Verletzungsgefahr, Grund für ein ausgewogenes Training.

Der häufigste Unfallmechanismus ist eine Kombination axialer Kompression mit Valgusstress bei Sturz auf den ausgestreckten Arm, wobei Weichteile, Knochen und Epiphyse betroffen sein können.

Auch wenn die typischen Bewegungsmuster sich in den einzelnen Sportarten unterscheiden, können drei Hauptmuster differenziert werden (Ausholbewegung, Beschleunigung, Durchschwingen). In der Ausholphase kommt es zu einer starken Anspannung des M. biceps und des M. triceps. Während der Beschleunigung wird der ulnare Gelenkanteil einer starken Spannung unterzogen, gleichzeitig nimmt der Druck auf das humeroradiale Gelenk zu. Beim Durchschwingen spannt sich unter Streckung des Ellbogens der M. triceps an, es entwickeln sich hohe Kräfte von Tricepssehne, Pronatoren und Kapsel.

Diese typischen Bewegungsabläufe können zu Verletzungen der radialen und ulnaren Gelenkanteile sowie zu dorsalen und ventralen Überstreckungsschäden führen, insbesondere bei Werfern, Golfern, Tennisspielern und Kugelstoßern.

Die Diagnose hat die Fragen nach der Art der verletzten Strukturen (Haut, Faszie, Muskulatur, Sehnen, Kapsel, Bänder, Knorpel, Knochen) , nach der Art des Verletzungsmechanismus (Prellung, Zerrung, Ruptur, Fraktur, Luxation) und nach dem Vorliegen von Komplikationen (neurologischer bzw. vaskulärer Art) zu beantworten. Gründliche Anamnese und Röntgenaufnahmen sind dazu unabdingbar.

3.5.2. Handgelenk, Handwurzel, Hand

Diese Strukturen sind im Sport besonders häufig in Unfälle mit Verletzungsfolgen integriert, da sie sowohl im Training als auch im Wettkampf eine wesentliche Rolle spielen (Werkzeug, Schutzreflex).

Bei Handverletzungen ist eine gründliche Anamnese Voraussetzung, um eine vollständige Wiederherstellung des vormaligen Bewegungsumfangs zu gewährleisten (Sportart, Beruf, Verletzungsmechanismus, Handposition beim Unfall, Händigkeit, frühere Verletzungen). Die Begutachtung der Halswirbelsäule, der Schulter und des Ellenbogengelenks ist integraler Bestandteil einer vollständigen Diagnostik, ebenso wie entsprechende Röntgenbilder, Schichtaufnahmen usw.

3.5.3. Ausgewählte Frakturen/Luxationen

Absolut gesehen bestimmen bis etwa zum 15. Lebensjahr die suprakondyläre Humerusfraktur und zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr die Distorsion bzw. Luxation das Geschehen im Ellbogenbereich.

3.5.3.1. Suprakondyläre Humerusfraktur

Humerusfrakturen entstehen durch Stürze auf Schulter, Ellbogen und Hand. Bevorzugte Sportarten sind Turnen, Reiten, Radfahren, Skisport. Zahlreiche Bruchformen sind denkbar (subkapital, epiphysär, metaphysär, epikondylär, suprakondylär). Bei den suprakondylären Frakturen können alle Nerven des Unterarmes lädiert werden (N. radialis, N. ulnaris, N. medianus), entsprechende Symptomatiken sind abzuprüfen. In unkomplizierten Fällen wird konservatives Vorgehen vorgezogen, die operative Versorgung hat eine exakte Wiederherstellung der Bruchenden sowie der eventuell unterbrochenen Nerven- und Gefäßkontinuität zum Ziel.

3.5.3.2. Ellbogenluxation

Luxationen kommen vor allem in körperkontaktbetonenden Sportarten ( Fußball, Rugby, Eishockey), aber auch beim Reiten, Radfahren, Ringen, Skilaufen und Squash vor. Auslösend ist meist ein Sturz auf die vorgestreckte Hand, entweder in Beugung (Flexionsfraktur) oder in Streckung (Extensions- bzw. Hyperextensionsfraktur). In aller Regel ist die Gelenkkapsel und der Bandapparat mitbetroffen, bei Kindern überwiegend als knöcherner Bandausriss, bei Erwachsenen in Kombination mit Frakturen. Die Luxation soll möglichst schnell in Narkose reponiert werden, bei Seitenbandinstabilität erfolgt sofort im Anschluss die operative Versorgung durch Bandnaht mit anschließender Ruhigstellung im Oberarmgips.

3.5.3.3. Distale Radiusfraktur mit und ohne Luxation

Auslösend für eine der häufigsten Frakturen ist meist ein Sturz auf die nach oben ge- beugte Hand bei gleichzeitig gestrecktem Arm, vorkommend bei allen Sportarten, insbesondere Eishockey, Fußball, Rugby, Handball, Reiten, Ringen, Skiabfahrt. Bei der typischen Radiusfraktur bleibt das Gelenk selbst unve rletzt, mitunter bricht der Processus styloideus der Ulna gleichzeitig. Der subjektive und klinische Befund ist typisch, dennoch hat eine röntgenologische Absicherung zu erfolgen, ebenso ein neurologischer Status und die Prüfung der Durchblutungsverhältnisse. Die Therapie ist in aller Regel konservativ. Als Komplikationen sind Fehlstellung, Sudeck'sches Syndrom und Rupturen bzw. Luxationen des M. extensor pollicis longus möglich. Bei Beteiligung des Gelenks ist meist eine Osteosynthese mittels Zugschrauben und Platten zur Wiederherstellung der vollen Funktionstüchtigkeit erforderlich.

3.5.3.4. Naviculare-Fraktur

Sie ist das Ergebnis eines Sturzes auf den ausgestreckten Arm bei Streckung der Hand, andererseits von direkten Schlägen auf die Hand, vorkommend bei Kampfsportarten, bei körperkontaktbetonenden Sportarten, aber auch im Skisport und bei Abstürzen im Gebirge. Subjektiv imponieren Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Ödem, Kraftverlust. Aufgrund der oft gering ausgeprägten Akutsymptomatik kann die Verletzung leicht übersehen bzw. fehlgedeutet werden. Eine Röntgenuntersuchung führt im Zweifelsfall zur richtigen Diagnose. Die Heilung gestaltet sich wegen der ödembedingten Minderdurchblutung langwierig, auch ist die Entstehung einer Pseudarthrose möglich.

3.5.4. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Baseballfinger
Auch Basketballfi nger, Hammerfinger, Drop-Finger, Kricketfinger. Zugrunde liegt ein Abriss der Fingerstrecksehne im Ansatzbereich oder in Ansatznähe am Fingerendglied, vorkommend vor allem beim Hand- oder Baseball, infolge einer starken übermäßigen Kontraktion beim Aufprall eines Balls auf den gestreckten Finger. Am häufigsten sind die Finger 2 bis 4 betroffen. Neben dem lokalen Schmerz und der Schwellung imponiert vor allem der Funktionsausfall. Therapeutisch wird in unkomplizierten Fällen die Fixierung des Fingerendgliedes in einer Überstreckschiene für 6 Wochen empfohlen, bei Knochenanrissen mit Gelenkbeteiligung ist eine operative Korrektur nötig.

Boxerknöchel
Die wiederholte Verletzung vor allem der Fingergrundgelenke beim Training und Wettkampf führt zu narbigen Verdickungen an den Streckseiten, einhergehend mit Bewegungseinschränkung, auf die Dauer sich ausdehnend auf den Gelenkknorpel und Arthrose auslösend.

Boxerarm
Ursache ist eine zunehmende Myositis ossificans aufgrund ständiger mechanischer Reizung, beispielsweise durch Schlag. Anfänglich bestehen Funktionsschmerzen auf der Beugeseite des Ellbogens, im weiteren Verlauf wird die Flexion zunehmend eingeschränkt. Therapeutisch sind Schonung, Entlastung entzündungshemmende Medikamente, physikalische Maßnahmen und Krankengymnastik indiziert.

Climber's Elbow
Reizzustand der Flexorenansätze im Bereich des Ellenbogens aufgrund von Überlastung, erkennbar an Belastungsschmerzen in der Ellenbeuge, sowie bei der Rotation des Unterarms gegen Widerstand.

Dartspielerellenbogen
Reizzustand der Extensorenansätze im Bereich des Ellenbogens aufgrund von einseitiger Belastung beim Werfen der Dartpfeile. Typische Symptome sind Schwellung und schmerzhafte Funktionseinschränkung.

Fechtmeisterkrankheit
Durch festes Umschließen des Waffengriffes kann eine Druckschädigung des dicht unter der Haut verlaufenden N. medianus zu ausstrahlenden Schmerzen bis in die Spitzen von Finger 1 bis 3 eintreten, der sich später Sensibilitätsstörungen und Muskelatrophien anschließen. Neben einer Techniküberprüfung sind physikalische Maßnahmen, vor allem Elektrotherapie, und eventuell abschwellende Medikamente indiziert.

Golferellenbogen
Auch Werferellenbogen, Pitching arm, Epicondylitis humeri ulnaris. Dabei Reizzustand der Sehnenansätze auf der Innenseite des Ellenbogens, wobei Palmarflexion der Hand und Supination schmerzhaft sind. Möglich sind auch ein chronischer Reizzustand des inneren Seitenbandes (Überlastung bei Wurf- und Racketsportarten) und ein chronischer Überdehnungsschaden des N. ulnaris in seinem Verlauf auf der Streckseite des Ellenbogens (Kontaktsportarten). Beim Golfen wird die übermäßige Griffbelastung der rechten Hand während des Treffmoments und der Abschwungphase zusätzlich diskutiert (erzwungene Einwärtsdrehstellung). Therapeutisch stehen an erster Stelle eine Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur der Technik, weiterhin gezielte Dehnungs- und Kräftigungsübungen als Prävention, im akuten Stadium lokale Infiltrationen, Iontophorese, Ultraschall, Querfriktionsmassage. Im Wachstumsalter ist bei Überbeanspruchung des medialen Ellenbogens mit einer Schädigung der Wachstumsfuge zu rechnen (little league elbow).

Jersey Finger
Durch Überstreckung eines Fingers kann es zu einer Ruptur des M. flexor profundus kommen, beispielsweise beim Festhalten am Trikot eines wegstürmenden Gegners oder beim Judo. Subjektiv imponieren schmerzhafte Schwellungen der Fingerend - oder - mittelglieder mit Funktionseinschränkungen, als Folge rezidivierender Mikrotraumen auch die Entwicklung einer Arthrose. Beim Bowling kommt es zu Überlastungsschäden an Fingergelenken, meist des Daumens, infolge Drehbewegung der Kugel. Als Kletterfinger wird einerseits eine Schädigung/Verletzung der Fingerspitzen durch scharfe Felskanten, andererseits Verletzungen oder Überlastungen der Fingerbeuger bezeichnet. Therapeutisch steht die operative Versorgung (bei Rupturen) bzw. Physiotherapie und Schonung im Vordergrund.

Judoellenbogen
Hierbei handelt es sich um Knorpel-Knochen-Neubildungen im Ellenbogengelenk (freie Gelenkkörper), welche zu belastungsabhängigen Schmerzen, Ergussbildung und Schwellung sowie zu vorübergehenden Gelenkblockierungen führen können. Im akuten Stadium werden lokale Salbenanwendungen und Elektrotherapie Linderung bringen, bei längerfristiger Problematik ist die operative Gelenktoilette zu empfehlen.

Karate Kid Finger
Auch Boxerfraktur bzw. Bennett-Fraktur. Verstauchungen der Fingergelenke, bevorzugt des Daumengrundgelenks, wenn er beim Schlagangriff nach auswärts, nicht in die Hohlhand gerichtet ist. Auch Frakturen von Finger- und Mittelhandknochen sowie Gelenkverletzungen sind bei entsprechender Gewalteinwirkung möglich. Chronische Schäden des N. ulnaris lösen Missempfindungen aus und führen zu Atrophien des Antithenar.

Longierfinger
Druckschädigung der Fingergrundglieder und -gelenke, verursacht durch das Arbeiten mit der Longe, Schmerzen, Funktionsstörungen und Kraftverlust beim Fingerbeugen bewirkend.

Paddlergelenk
Auch Morbus de Quervain. Verursacht durch wiederholte Drehbewegungen des Handgelenks (Kanu, Paddeln), welche zu eine r zunehmenden Reizung der Sehnen der Mm. abductor pollicis longus und extensor pollicis brevis führen. Die stärksten Druckschmerzen werden am Styloideus radii empfunden, der jedoch selbst nicht tangiert ist. Beim rower's wrist liegt eine Sehnenscheidenreizung auf der Unterarmbeugeseite vor, bedingt durch starke Belastung von Hand und Handgelenk in Flexionshaltung und maximaler Anspannung der Unterarmbeugemuskulatur, welche zu einer Schwellung des Sehnengleitgewebes führen. Angegeben werden Schmerzen, 'Schneeballknirschen' bei Muskelkontraktion und eventuell Paraesthesien der Finger 1 bis 3 bei Druckschädigung des N. medianus, bei schlimmerer Ausprägung auch eine Kraftminderung des Thenar sowie das Phänomen des 'schnellenden Fingers' (Einengung der Sehnenfächer im Hohlhandbereich). Der Reizzustand der Streckersehnen am Handrücken (squeaker syndrom ), besonders bei Ruderern und Gewichthebern beschrieben, ist ähnlich zu bewerten. Die Therapie besteht in Entlastung, lokalen Salbenauftragungen/Infiltrationen, Elektrotherapie und - sofern nötig - Operation.

Racket Player's Pisiform
Reizzustand des Os pisiforme auf der ulnaren Beugeseite des Handgelenks, verursachtdurch Überlastung bzw. Verletzung im Zusammenhang mit dem Schlägergriff.

Radfahrerlähmung
Bei andauernder starker Überstreckung des Handgelenks (Radfahren - N. ulnaris, Radfahren/Rudern/Fechten - N. medianus) finden sich chronische Druckerhöhungen, welche Nerven in Mitleidenschaft ziehen können. Neben Schmerzen und Sensibilitätsstörungen wird vor allem in späteren Stadien über eine Kraftminderung im Kleinballenbereich (N. ulnaris-Kompression) bzw. im Daumenballenbereich (N. medianus -Kompression) geklagt. Mitauslösend sind neben der Überlastung oft eine falsche Technik und Vernachlässigung von Ausgleichsgym nastik. Bei eingetretener Nervenschädigung ist eine operative Entlastung angebracht, ansonsten empfehlen sich Schonung, Physiotherapie und perineurale Infiltrationen.

Skidaumen
Auch gamekeeper's thumb, lineman's thumb. Ruptur des Ligamentum collaterale ulnare am Daumengrundgelenk, wobei das Gelenk beim Sturz auf die Hand bei abgespreiztem Daumen mitbetroffen sein kann. Neben Schwellung und lokalem Druckschmerz imponiert die Instabilität des Gelenks. Bei knöchernen Ausrissen ist die Operation vorzuziehen, ansonsten wird eine längere Immobilisierung empfohlen.

Splint Top Fracture
Handgelenksnahe Unterarmfraktur, zusammen mit Handbrüchen die häufigste Verletzung beim Inline Skating, weshalb dringend als wichtigste Vorbeugungsmaßnahme das Tragen sogenannter Protektoren (Hand, Unterarm, Ellenbogen, Knie) angeraten wird. In Abhängigkeit von Lokalisation und Schweregrad können massive Fehlstellungen auftreten. Begleitverletzungen (Nerven, Gefäße) sind möglich. Die primäre Therapie besteht in Entlastung, Hochlagerung und Kühlung (PECH: Pause, Eis, Compression, Hochlagerung bzw. RICE: rest, ice, compression, elevation), sekundär ist baldmöglichst die operative Stabilisierung anzustreben. Geringere Fehlstellungen (bis 20°) gleichen sich bei Kindern im Verlaufe des Wachstums von selbst aus.

Squashspieler Finger
Überlastung der kurzen Handmuskeln (M. abductor pollicis longus, M. interosseus dorsalis I) zwischen den Ossa metacarpalia I und II. Subjektiv imponieren Belastungs- und Funktionsschmerzen der Muskulatur zwische n Daumen und Zeigefinger, objektiv kann mitunter eine Schwellung auftreten. Therapeutisch empfehlen sich im Akutstadium Entlastung und Kälteanwendungen, später Techniküberprüfung und Physiotherapie.

Supinatorsyndrom
Mechanische Kompression des N. radialis bei seinem Durchtritt durch die Mm. extensor carpi radialis und supinator in der Ellenbeuge, ausgelöst besonders durch Rückhandschläge beim Tennis bei langandauernder Beanspruchung der Unterarmmuskulatur. Folgen sind typische Schmerzen, eventuell Sensibilitätsstörungen und Lähmungserscheinungen im Versorgungsgebiet des N. radialis (Daumen, 2. und 3. Finger, radiale Seite des 4. Fingers). Die Therapie besteht in Ruhigstellung, mitunter in perineuralen Injektionen, Dehnung der Unterarmmuskulatur und operativer Freilegung des Nerven.

Tennisellenbogen
Auch Bowlingellenbogen, Fechterellenbogen, Surferellenbogen, Epicondylitis humeri radialis. Eine der häufigsten Verletzungen/Überlastungserscheinungen, sowohl in der Normalbevölkerung (Inzidenz 1-3%) als auch bei Sportlern (Inzidenz bei Tennisspielern 40-50% in ihrer aktiven Phase). Ätiologisch sind Mikrotraumatisierungen des Sehnengewebes der Streckmuskulatur der Hand an der radialen Seite des Ellenbogens verantwortlich. Subjektiv imponieren vor allem belastungsabhängige Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens mit Ausstrahlung in Unterarm, Handrücken (typischerweise bis in den Mittelfinger), Oberarm und Schulter, einhergehend mit Druckschmerzhaftigkeit der Sehnenansätze und der angrenzenden Muskelabschnitte. Diagnostisch ist der Chair Test weiterführend (Anheben eines Stuhles mit gestrecktem Ellenbogen), bei dem sich Schmerzen an typischer Stelle provozieren lassen. Störfaktoren (latente Infektionsherde, Infekte) wirken exazerbierend. Bandscheibenveränderungen und Nervenschädigungen im Bereich von Schultern und Oberarmen sind auszuschließen. In den meisten Fällen ist die Läsion am Sehnenansatz des M. extensor carpi radialis brevis lokalisiert, ausgelöst durch die ständige Bewegung des Ellenbogens bei geschlossener Faust (Kanu, Bowling, Badminton, Fechten), verstärkt durch klimatische Faktoren (Surfen, Kanu). Beim Tennis kann die Ursache in der zu harten Bespannung, einem zu großen oder schweren Schläger, einer falschen Griffstärke oder einer unpräzisen Technik (Spiel aus dem Ellenbogen heraus) liegen. Therapeutisch steht die Technikverbesserung an erster Stelle. Darüberhinaus sieht die Behandlung im Einzelfall sehr unterschiedlich aus und hängt vor allem von der persönlichen Erfahrung des Therapeuten ab (Eis, Ultraschall, Iontophorese, Injektionen, Stretching der verkürzten Handgelenksextensoren, Querfriktionsmassagen, Epicondylitisspange, Operation).

Torwartellenbogen
Ausgelöst durch Schlag, Stoß oder Überlastung auf der Streckseite des Ellenbogens, kann es zu einer akuten Traumatisierung (Kampfsport) oder zu einer chronischen Reizung (Schießsport), einer Bursitis olecrani, kommen. Neben einer weichen, fluktuierenden Schwellung imponieren ein lokaler Druckschmerz und Funktionsbeschwerden, mitunter auch eine eitrige Entzündung. Therapeutisch ist eine vorübergehende Immobilisierung des Armes, eine Infiltrationstherapie mit Cortison (bei Entzündung), eventuell eine Operation indiziert.

Turnerhandgelenk
Auch unter Werferhandgelenk bekannte Beschwerden im Handgelenk infolge Mikroverletzungen und/oder Überlastungsschäden der Gelenkkapseln und Ligamenta im Bereich von Handwurzel und Handgelenk. Ätiologisch spielen extreme Bewegungsmuster beim Geräte- und Bodenturnen, aber auch beim Fechten, Handball, Wasserspringen und in den Wurfsportarten eine wichtige Rolle. Die anhaltenden Schmerzen sind auf der Streckseite des Handgelenks lokalisiert, gehen mit Funktionseinschränkungen einher und können osteophytäre Stressreaktionen und Knochennekrosen auslösen. Therapeutisch sollten extreme Dorsalflexionen nach Möglichkeit verhindert werden (beispielsweise durch spezielle Bandagen); Manualtherapie zur Mobilisation, Stabilisation und Kräftigung von Handwurzel und Handgelenk ist indiziert.

3.6. Beckengürtel

Die Ursache von Beckenverletzungen ist überwiegend eine direkte Gewalteinwirkung (Sturz, Anprall, Quetschung, Schlag, Stoß), während indirekte Gewalteinwirkung zu Impressions- und Luxationsfrakturen im Hüftgelenksbereich und zu Abrissfrakturen von Apophysen führen. Beckenbrücke als Sportverletzungen sind eher selten, wegen der oft erheblichen Blutverluste und der möglichen Mitbeteiligung von Abdominalorganen können sie jedoch gefährlich werden. Die klinische Diagnostik muss Fragen nach dem Allgemeinzustand (Schock, Fettembolie), nach lokalem Druckschmerz und Fernschmerzen, nach der Beweglichkeit der unteren Extremitäten, nach dem rektalen und evtl. vaginalen Befund, nach dem Urinbefund (Hämaturie) und nach dem Femoralispuls (Seitenvergleich) abklären. Eine Röntgenaufnahme (Beckenübersicht mit beiden Hüftgelenken) muss die klinische Diagnostik ergänzen.
Typische Sportverletzungen im Beckenbereich sind Abrissfrakturen, welche sich bei unkoordinierten Abwehr- und Abfangbewegungen sowie beim plötzlichen Antritt oder Abbremsen ereignen. Typische Fehlbelastungen sind Insertionstendinopathien im Ursprungs- bzw. Ansatzbereich von Muskulatur sowie die Beckenringlockerung im Symphysenbereich.

3.6.1. Beckenrandfrakturen

Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die funktionelle Festigkeit des Beckenringes nicht unterbrochen ist (horizontale bzw. vertikale Frakturen der Darmbeinschaufel, alle Abrissfrakturen, isolierte Frakturen eines Schambein- oder Sitzbeinastes). Die Therapie kann von der erhaltenen funktionellen Festigkeit des Beckenringes ausgehen, operative Maßnahmen erübrigen sich.

3.6.2. Beckenringfrakturen

Charaktereistisch ist die mehr oder weniger stark reduzierte bis aufgehobene statische Belastbarkeit. Komplikationen sind möglich (Gefäße, Darm, Urogenitalorgane, Nerven). Unterschieden werden können vorderer Beckenringbruch (beide Schambeinäste bzw. Schambein- und Sitzbeinast), doppelseitiger vorderer Ringbruch, hinterer Ringbruch (Darmbein, Kreuzbein), vollständiger Ringbruch (Kombination von vorderer und hinterer Ringfraktur), doppelseitiger vollständiger Ringbruch, Ruptur der Symphyse, Ruptur des Ileosakral-Gelenks und Kombination von Symphysen- und Ileosakralfraktur. Die Therapie (konservativ, operativ) hat entsprechend der Frakturlokalisation und der eventuellen Mitbeteiligung innerer Organe zu erfolgen.

3.6.3. Hüftpfannenfraktur

Sie ist Folge einer indirekten Gewalteinwirkung auf die Trochanteren oder auf den Femur, ihre Inzidenz steigt mit zunehmender Geschwindigkeit und Masse der Gewalt (Rasanztraumen). Oft liegt eine Kombination von Fraktur, Luxation, Subluxation oder Impression des Caput femoris vor. Zwar kommen Hüftpfannenfrakturen im Sport selten vor, die funktionelle Prognose ist wegen der Schwere der Verletzungen jedoch eher ungünstig (Veränderung der Gelenkanatomie, Knorpelkontusionen).

3.6.4. Hüftgelenkluxation

Meist kommen sie kombiniert mit Hüftpfannenfrakturen vor, absolut gesehen sind sie im Sport eher selten (Folge großer indirekter Gewalteinwirkung, so Rasanztraumen, Absturz beim Klettern). Komplikationen sind möglich (Nerven, Gefäße), vor allem ist die Durchblutung des Caput femoris über die A. capitis femoris gefährdet. Bei gleichzeitigen Pfannenrandabbrüchen größeren Ausmaßes und bei erheblicher Dislokation wird eine operative Fixation empfohlen, mitunter ist eine Nekrose des Femurkopfes durch die Implantation eines künstlichen Hüftkopfes zu kompensieren.

3.6.5. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Fußballerleiste
Auch als Gracilis-Syndrom, Adduktoren-Syndrom, Pubalgie bekannt. Gewebsschädigung an den Übergangszonen des Sehnenansatzes der Oberschenkelmuskulatur an Schambein und Sitzbein, vor allem bei langdauernder und intensiver Belastung. Ständige Richtungswechsel und Änderungen der Zugrichtung im Sehnenansatzbereich führen zu extrem hohen Belastungen der innenseitigen Oberschenkelmuskulatur an Schambein und Vorderrand des Sitzbeins, der geraden Bauchmuskulatur sowie der Beugemuskulatur des Oberschenkels an der Hinterfläche des Sitzbeins. Klinisch imponieren die schmerzhafte isometrische Adduktion, der passive Abduktionsschmerz bei gestrecktem Knie und der palpatorische Druckschmerz. Je nach Stadium bestimmen einfache physikalische Anwendungen (Elektrotherapie, Einreibungsmassagen, Krankengymnastik, Stretching) bis zu medikamentösen Strategien (lokale Cortison-Gaben) und Operation (Beseitigung des schadhaften Gewebes, Abtragung des gereizten und schmerzhaften Periosts) die Therapie.

Jeep's Disease
In Zwangspositionen (Rudern, Radfahren) kann es zu einer Reizung an den Tubera ischiadica oder am Os coccygis kommen. Zunächst imponieren aufgrund der mechanischen Reizung Druckstellen und Schwielen, die sich später entzünden und in die umgebenden Weichteile ausbreiten. Die beste Therapie stellt eine gute Prävention dar (Optimierung der Sitzposition, geeignete Polsterung der Sitzfläche, adäquate Sportkleidung, sorgfältige Hygiene).

Jogger's Hip
Auch als cyclist's hip und dancer's hip bekannt. Hüftbeschwerden, welche von dem lateralen Femur, insbesondere dem Trochanter major, der Bursa trochanterica und dem Tractus iliotibialis ausgehen, verursacht durch Überlastung (bei Tänzern: extreme Funk- durch anatomische Anomalien (Beinlängendifferenz bei Läufern) bzw. externe Faktoren (nichtebener Untergrund bei Läufern, nicht individuell angepasste Sattelposition bei Radfahrern). Mechanische Irritation und chronische Reizung lösen typische Belastungs- und lokale Druckschmerzen aus, bei der Beuge-Streck-Bewegung kann es zur Ausbildung einer 'coxa saltans' (Hüftschnappen der straffen Faszie über die rauhe Lateralseite des Femurs) kommen. Therapeutisch empfehlen sich lokale physikalische Maßnahmen bis hin zu lokalen Infiltrationen, ergänzt durch Krankengymnastik, insbesondere Dehnungsübungen.

Keglerhüfte
Auch als Bowlinghüfte bezeichnet. Das typische Bewegungsmuster (Überstreckung und Rotation des Hüftgelenks) kann zu einer Schädigung der Sehnenansätze der Hüftbeuger nahe am Ursprung führen, die sich durch Schmerzen beim Überstrecken, durch Dehnungsschmerzen in der Leiste und am Hüftgele nk sowie durch Funktionsschmerzen zu erkennen gibt. Therapeutisch werden Schonung, physikalische Maßnahmen, Elektrotherapie und krankengymnastische Übungsbehandlung empfohlen.

Radfahrerwolf
Durch Satteldruck, unsachgemäße Kleidung und Schwitzen kann es zu Reizungen der empfindlichen Dammhaut kommen. Symptomatisch sind Wundschmerzen. Geschwüre und Abszessbildungen bei vorbestehenden Haemorrhoiden sind möglich, ebenso Sensibilitätsstörungen im Bereich des Dammes sowie Reizungen der Harnröhre und Prostata. Therapeutisch ist primär eine Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur von Sattelform und Polsterung zu empfehlen, weiterhin eine sorgfältige Hautpflege und Hygiene, bei weitergehenden Komplikationen auch eine chirurgische Intervention.

Runner's Rump
Bei Langstreckenläufern können durch das Reiben der Gesäßhälften gegeneinander Einblutungen auftreten, welche zu typischen Hautverfärbungen im oberen Anteil der Analfalte führen. Eine Therapie erübrigt sich.

Skier's Hip
Beim alpinen wie nordischen Skilauf kann es zu Oberschenkelhals- und -schaftfrakturen kommen, ausgelöst durch direkten Sturz auf die Hüfte (meist lateral). Diagnostisch weiterführend sind eine typische Außenrotation des Beines und eine stark eingeschränkte und schmerzhafte Beweglichkeit der Hüfte. Therapeutisch ist die operative Korrektur indiziert.

Sporthernie
Starke und/oder plötzliche Anspannung der Bauchmuskulatur (Gewichtheben, Krafttraining, große Spiele) kann zu einer Leisten- oder Nabelhernie führen. Mitunter genügt auch die alleinige Erhöhung des Bauchinnendruckes, beispielsweise beim Ausholen in den Wurfdisziplinen. Abzugrenzen ist die Leistenhernie von einer Muskelruptur, welche bei plötzlicher Muskelkontraktion möglich ist. Je nach Inhalt der Hernie sind geringe bis massive Beschwerden und objektive Befunde zu erwarten. Bruchbänder bzw. Bruchgürtel führen oft nicht zum gewünschten Erfolg, operatives Vorgehen ist indiziert.

Tailor's Bottom
Bei Radfahrern und Ruderern kann sich aufgrund der langen Sitzbelastung ein Reizzustand der Bursa am Tuber ischiadicum entwickeln. Die Beschwerden sind eng umgrenzt, die Therapie besteht in primären (Polsterung, Anpassung des Sattels) und sekundären Maßnahmen (lokale Salbenverbände, Infiltrationen).

3.7. Untere Extremitäten


3.7.1. Oberschenkel

Verletzungen des Oberschenkels betreffen vor allem die massive Muskulatur, sie machen 9 Prozent aller Sportunfälle aus (Frakturen 'nur' 1 Prozent). Trainingsbedingt (einseitiges Krafttraining) liegt oft ein Übergewicht (Dysbalance) der Kraft der Hüftbeuger und der Kniestrecker im Vergleich zu den Kniebeugern und den Hüftstreckern vor, ebenso ein Ungleichgewicht der Bauch- und Rückenmuskulatur mit der Folge einer Beckenkippung nach vorn, so dass sich eine Insuffizienz mit einer Überdehnung der ischiokruralen Gruppe kombiniert.

Die ischiokrurale Gruppe ist bei allen Sportarten verletzungsgefährdet, welche einerseits mit einem schnellen Antritt, andererseits mit einem plötzlichen Abstoppen verbunden sind.

Viele Oberschenkelmuskeln sind zweigelenkig, d. h. dass bei manchen Bewegungen ein Teil des Muskels extrem angespannt, der andere Teil entspannt ist (Peitschenschlageffekt).

Fehlsteuerungen der Muskelinnervation können zum Faserriss, zur Abrissfraktur und zur Insertionstendinopathie führen.

Als häufigste Beschwerden werden Ansatzschmerzen des M. quadriceps am kranialen Patellapol, Muskelfaserrisse des M. quadriceps, Adduktorenzerrungen und Zerrungen/Muskelfaserrisse der ischiokruralen Gruppe angegeben.

3.7.1.1. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Hamstring Syndrom
Kompression des N. ischiadicus zwischen M. biceps und M. semitendinosus. Schmerzen werden beim Laufen und bestimmten gymnastischen Übungen (forcierte Flexion) angegeben, die bis in die Kniekehle ausstrahlen können. Therapeutisch empfehlen sich lokale Maßnahmen, Dehnübungen der Beuger, Krankengymnastik, bei ausbleibendem Erfolg auch eine Durchtrennung der Bindegewebsbrücke (meist vorhanden).

Jeans Meralgie
Reizung des sensiblen N. cutaneus femoris lateralis unter dem Leistenband, verursacht durch einschnürende Sportbekleidung oder durch starke Dauerbelastung der Bauchmuskulatur bzw. lang andauernde, sich häufig wiederholende Hyperextension im Hüftgelenk. Subjektiv imponieren lokal brennende Schmerzen, welche sich bei Extension verstärken und bei Flexion abschwächen, später Paraesthesien und Dysaesthesien. Die Therapie der Wahl besteht in einer Einflussnahme auf die mechanische Irritation, lokalen Infiltrationen und evtl. operativen Entlastung.

Pferdekuss
Muskelprellung auf Grund einer äußeren Gewalteinwirkung durch Tritt, Schlag oder Stoß (Pferdetritt). Der Schmerz ist meist großflächig und stark, einhergehend mit deutlichen Funktionseinschränkungen und - objektiv - mehr oder weniger starker Hämatombildung (cave Blutverlust). Therapeutisch soll sofort gekühlt und ein Kompressionsverband angelegt werden, zusätzliche Hochlagerung und Schonung. Die weitere Therapie besteht in Elektrotherapie, Lymphdrainage, Medikamenten, Salben, später Massagen und Wärme. Bei zu früher Mobilisierung kann sich als Komplikation eine Myositis ossificans einstellen, welche Schmerzen und stärkere Funktionsstörungen auslöst und eventuell operativ beseitigt werden muss.

Piriformis Syndrom
Seltene Überlastung bei Ruderern und Radfahrern, hervorgerufen durch eine Kompression des N. ischiadicus durch den M. piriformis, der eventuell durch Training hypertrophiert ist, an seinem unteren Rand. Die Betroffenen geben typische Schmerzen in der unteren Gesäßhälfte, besonders beim Hinsetzen, Beugen und bei Innenrotation an. Nur in resistenten Fällen ist eine Dezision des Muskels notwendig.

3.7.2. Kniegelenk

Das größte Gelenk des menschlichen Körpers zeigt anatomische und funktionelle Besonderheiten, welche es besonders verletzungsanfällig machen (Scharniergelenk mit Rotationsmöglichkeiten, Inkongruenz der Gelenkflächen, vorderes inneres Bandsystem). Häufigste Ursache von Kniegelenksverletzungen beim Sport sind Drehstürze mit fixiertem Fuß und leicht gebeugtem Gelenk. Kräfte unter der Zerreißgrenze von Kapsel, Bändern, hyalinem Gelenkknorpel und Faserknorpel der Menisken können bei ständiger Wiederholung durch Mikrotraumatisierung zu degenerativen Veränderungen führen. In Skigebieten beherrscht der Skiabfahrtslauf die Kniegelenkläsionen, in anderen Gebieten dominieren der Fußballsport sowie Freizeit- und Urlaubssportarten. Unfallstatistisch führen die Rangliste Meniskus -, Kreuzband- sowie Seitenband -Kapselläsionen an, oft (ca. 65 Prozent) verbunden mit einem Knorpelschaden (Chondropathie, Arthrose, Osteochondrosis dissecans). Die Bedeutung des Femoro-Patellar-Gelenks für eine optimale Kniegelenksfunktion ist sehr hoch, Formvarianten der Patella disponieren zu einer relativen Minderbelastbarkeit. Die Grenzen zwischen Sportverletzungen zu Fehlbelastungsfolgen sind unscharf und machen gutachterlich eine genaue Beurteilung oft schwierig.

3.7.2.1. Streckapparat

Der Streckapparat des Kniegelenks hat sowohl dynamische als auch statische Funktionen. Seine Kontraktion verhindert das Einknicken, ist für die Stabilität und Standfestigkeit von hoher Bedeutung. Die Patella ist in die Ansatzsehne des M. quadriceps femoris eingelagert, deren terminales Ende (Lig. patellae) in die Tuberositas tibiae einstrahlt. Das Femoro-Patellar-Gelenk ist durch die starke Beanspruchung (Druck beim Aufrichten aus der Kniebeuge etwa 1000 kp) störanfällig hinsichtlich Verletzungen und Überlastungserscheinungen. Sehnenrisse kommen im Sport selten vor, evtl. bei plötzlicher Muskelkontraktion (Absprung, Landen), insbesondere bei vorherigen Kortikoid-Injektionen wegen Überlastungsbeschwerden. Zu erkennen sind sie infolge der aufgehobenen aktiven Streckung des Unterschenkels, dem Patellahochstand und der Diastase im Streckapparat.

3.7.2.2. Fibröse Kapsel

Rupturen der fibrösen Kapsel sind immer auf heftige Gewalteinwirkung zurückzuführen, kombiniert mit schweren Distorsionen, Subluxationen oder Luxationen des Gelenks. Eine Mitbeteiligung weiterer Strukturen (Meniski, Kreuzbänder, Seitenbänder) ist wahrscheinlich, so dass sich operatives Vorgehen (frühzeitig) empfiehlt.

3.7.2.3. Patella

Verletzungen sind in der Regel auf direkte Gewalteinwirkung zurückzuführen, wie Anprall gegen ein Hindernis, Stoß oder Schlag (Skiabfahrt, Schlittensport, Motorsport, Fußball). Operative Rekonstruktion ist indiziert, zumal meist der zerrissene Streckapparat gleichzeitig mitversorgt werden kann.

Patellaluxationen ereignen sich vorwiegend bei Frauen nach lateral, Folge der stärkeren (physiologischen) X-Bein-Stellung (Genu valgum) und der Zugwirkung des M. quadriceps femoris. Die Therapie besteht in einer Medialisation (Versetzung nach medial) eines Teils des Lig. patellae bzw. der Tuberositas tibiae.

Als Fehlbelastungsschäden am Streckapparat sind die Apophysitis der Tuberositas tibiae (M. Schlatter) und die Insertionstendinopathien der Patella, vorwiegend an ihrem kaudalen Pol, zu erwähnen. Therapeutisch empfehlen sich vorübergehende Entlastungen, Technikschulung, lokale Kortikoidinjektionen und eventuell operatives Vorgehen (Aufbohren der Apophyse zur Ossifikationsanregung bzw. Patellapolresektion).

3.7.2.4. Frakturen

Einerseits treten sie als Folge direkter Traumen (Schlag, Stoß, Anprall gegen Hindernis) auf, andererseits entstehen sie indirekt (infolge Stauchung). Tibiakopffrakturen überwiegen Frakturen der Femurkondylen (Verhältnis ca. 8:1) aufgrund der dünnen Kortikalis und der spongiösen Struktur. Die Therapie ist in aller Regel operativ.

Abrissfrakturen der Eminentia intercondylica kommen isoliert und kombiniert mit Tibiakopffrakturen vor, das vordere Kreuzband kann mit einbezogen sein.

3.7.2.5. Gelenkknorpel

Bei jeder Kniegelenkfraktur ist von einer gleichzeitigen Gelenkknorpelbeteiligung auszugehen. Meist sind sie zwar röntgenologisch nicht zu erkennen, werden jedoch während des operativen Eingriffs deutlich (Kontusion mit erhaltener bzw. zertrümmerter Struktur; mit subchondralem Hämatom; mit Fissuren, Spaltbrüchen bis zu osteochondralen Frakturen). Die Therapie richtet sich nach Art und Schwere der Läsionen (Transplantation, Fixation).

Typisch für Chondropathien (Knorpelschäden infolge Fehlbelastung) sind Schmerzen in langdauernder einseitiger Positionierung, bei retropatellarer Druckerhöhung (Zo hlen-Test), Patella-Klopfschmerz bei gebeugtem Kniegelenk und isolierte Druckschmerzen an der Knorpelknochengrenze der Femurkondylen. Die Differentialdiagnose zur Meniskusläsion ist mitunter schwierig, aus therapeutischer Sicht jedoch wichtig (konservative Behandlung, Belastungsreduktion, physiotherapeutische Maßnahmen, evtl. Operation: Ausräumung makroskopisch veränderten Knorpels, Normalisierung der Gelenkmechanik, Ausgleich von Knorpeldefekten).

3.7.2.6. Menisci

Meniscusläsionen machen den größten Teil aller Sportverletzungen des Kniegelenks aus, insbesondere beim Fußball. Allerdings liegen in den meisten Fällen kombinierte Verletzungen, unter Einbeziehung von Gelenkknorpel, fibröser Kapsel, Seiten- und Kreuzbändern vor (Tripel-Verletzung: medialer Meniscus, mediales Seitenband, vorderes Kreuzband). Wegen bestimmter anatomisch-funktioneller Besonderheiten der Menisci (Lageveränderungen wä hrend Beugung/Streckung/Innenrotation/Außenrotation; Kondylenzange; Verwachsung medialer Meniscus, mediales Seitenband; häufige Fehlbildung; Vaskularisierungsdefizit der inneren Anteile) ergeben sich bestimmte pathomechanische Konsequenzen mit der Folge hoher Verletzungsanfälligkeit.

Nahezu beweisend für eine Meniscusverletzung sind Bewegungssperre (Einklemmung abgerissener Anteile), Streck- und Beugehemmung, isolierter Schmerz über dem betroffenen Gelenkspalt bei Kompression in Streckstellung, während Ergussbildung, Bewegungs- und Ruheschmerzen sowie Muskelatrophien (M. vastus medialis) eher untypische Indikatoren darstellen.

Die Therapie einer gesicherten Meniscusläsion ist in aller Regel operativ, in Zweifelsfällen kann ein primär konservatives Vorgehen (Ruhigstellung, Kühlung, resorptionsfördernde Maßnahmen) bis zu einer Woche indiziert sein.

3.7.2.7. Seitenbänder

Verletzungen der Ligg. collateralia sind auf Torsion bzw. gewaltsames Aufklappen zurückzuführen. Die Schweregrade erstrecken sich von Überdehnung bis zur kompletten Ruptur, von der einseitigen bis doppelseitigen Verletzung und darüber hinaus Einbeziehung weiterer Strukturen. Eine zusätzliche Schädigung des N. peroneus ist möglich. Die mediale Seite ist gegenüber der lateralen Seite im Verhältnis 15:1 häufiger betroffen.

Die Diagnose bezieht sich auf das typische Aufklapp-Phänomen, den isolierten Druckschmerz und die gehaltene Rö ntgenaufnahme. In vielen Fällen kann konservativ therapiert werden (Ruhigstellung im Gipsverband), bei Aufklappweiten von 15 mm (medialer Gelenkspalt) bzw. 25 mm (lateraler Gelenkspalt) wird das operative Vorgehen allgemein bevorzugt, zumal damit nicht nur eine exakte anatomische Rekonstruktion der zerstörten Strukturen gewährleistet ist, sondern auch die Behandlungszeit wesentlich verkürzt werden kann.

3.7.2.8. Kreuzbänder

Kreuzbandläsionen werden oft übersehen, obwohl bei allen Torsionstraumen wie bei heftiger direkter Gewalteinwirkung auf die gelenknahen Strukturen (Tibiakopf, Femurkondylen) immer damit zu rechnen ist. Möglich sind Überdehnungen, partielle Risse bis zu totalen Rupturen. Mitunter kann die Eminentia intercondylica mit ausreißen. Wichtigstes diagnostisches Merkmal ist das Schubladenphänomen nach vorn (bei Schädigung des Lig. cruciatum anterius) bzw. nach hinten (bei Verletzung des Ligamentum cruciatum posterius). Vor allem bei Verletzungen des vorderen Kreuzbandes kann die Therapie nur operativ sein, da zerrissene Kreuzbänder ohne operative Adaptation nicht wieder zusammenwachsen, wenngleich der funktionelle Ausfall teilweise muskulär kompensiert we rden kann. Besonders bei kniegelenkbelastenden Sportarten ist jedoch die Gefahr einer bleibenden Rotationsinstabilität, muskulärer Atrophie (M. vastus medialis) und einer Gangunsicherheit auf unebenem Boden und bergab gegeben.

3.7.2.9. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Biker's Knee
Auch runner's knee, anterior knee pain syndrom, jogger's knee, long distance knee. Retropatellare Beschwerden, bedingt durch langdauernde intensive Beanspruchung des Kniegelenks, insbesondere oft wiederholte Beuge-Streck-Bewegungen, verstärkt durch anlagebedingte Formvarianten der Patella, Beinachsenfehlstellungen, Fehlposition der Patella und einseitigen Muskelzug . Pathophysiologisch liegt ein degenerativer Knorpelschaden der retropatellaren Gelenkfläche mit primärer Verdickung des Knorpels und späterer Destruktion vor. Anfänglich imponieren belastungsabhängige Schmerzen, in späteren Stadien kombiniert mit Reizungen und ergussbedingten Schwellungen. Therapeutisch sind physikalische Maßnahmen, Krankengymnastik, medizinische Trainingstherapie, Trainingsumstellung, Bandagen und - als letzte Maßnahme - eventuell Operation indiziert.

Brustschwimmerknie
Chronischer Reizzustand des medialen Kapsel-Band -Apparates und des Innenmeniskus aufgrund einseitiger Belastung beim Brustbeinschlag. Die Betroffenen geben Belastungsschmerzen der Knieinnenseiten, in fortgeschrittenen Stadien Ruheschmerzen, Schwellungen und Ergussbildung an. Therapeutisch empfehlen sich Techniküberprüfung, Reduktion des Trainingsumfangs bis vorübergehende Immobilisierung, gezieltes Krafttraining zum Ausgleich muskulärer Dysbalancen, physiotherapeutische Maßnahmen und eventuell Operation.

Fuballerknie
Bei unsachgemäßer Therapie einer Lig.-cruciatum -anterius-Ruptur (konservativ, wo operatives Vorgehen indiziert gewesen wäre) kann als Endzustand ein instabiles Kniegelenk mit allgemeiner Bänderschwäche resultieren (Wackelknie, Schlotterknie). Als Unfallmechanismen kommen Verdrehen oder Abknicken des Knies bei der Landung nach einem Sprung oder bei Scher- und Schubbewegungen, bei plötzlichem Antritt, bei plötzlichem Abstoppen oder bei plötzlicher Richtungsänderung vor, Bewegungsabläufe, wie sie besonders im Fußball häufig vorkommen, aber auch in anderen Sportarten möglich sind.

Jumper's Knee
Auch unter Springerknie und Patellaspitzensyndrom bekannt. Als Folge von Mikrotraumatisierungen bei Überlastung durch gehäufte Horizontalsprünge bzw. durch einseitiges Kniebeugentraining mit Hanteln kann es am Ansatz des Lig. patellae am kaudalen Patellapol zu einer Insertionste ndinopathie kommen. Begünstigend wirken konstitutionelle Faktoren wie Lateralisation der Patella, Beinlä ngendifferenz, Verkürzung der hinteren oder vorderen Oberschenkelmuskulatur und Insuffizienz des M. vastus medialis. Subjektiv imponieren Belastungsschmerzen am unteren Patellapol, besonders beim Treppengehen, Druckschmerzen und Schwellung. Therapie der Wahl ist ausreichende Aufwärmung vor konsequent betriebenem Stretchingprogramm und Kältetherapie danach, zusätzlich Physiotherapie und vorübergehende Teilimmobilisierung , in schweren Stadien gezielte Injektionstherapie und eventuell Operation.

Läuferknie
Auch iliotibiales Scheuersyndrom. Übermäßiges Training und/oder Varusstellung des Knies können bei Langstreckenläufern und Radfahrern zu einer mechanischen Irritation des Tractus iliotibialis am lateralen Femurkondylen-Periost führen. Sie äußert sich in Bewegungsschmerzen, lokaler Missempfindung bei Druck und leichter Schwellung. Als Therapie empfiehlt sich der Ausgleich einer eventuellen Fehlstatik, weiterhin Physiotherapie, Iontophorese und Ultraschall.

Skipunkt
Darunter wird eine Zerrung bis Ruptur des Lig. collaterale mediale am oberen Ansatzpunkt (Condylus medialis femoris) verstanden, verursacht beispielsweise beim Skifahren durch Sturz mit Verdrehung des Knies und Abknicken des Unterschenkels nach außen. Subjektiv imponieren eine umschriebene mehr oder weniger starke Druckempfindlichkeit und eine lokale Schwellung. Meist erfolgt eine konservativ ausgerichtete funktionelle Therapie mit anfänglicher Ruhigstellung, späterer orthetischer Versorgung und aufbauendem Muskeltraining , Teilbelastung mit Gehstöcken bis zur vollständigen Gewichtsbelastung.

Surferknoten
Auch Nonnenknie, Bursitis infrapatellaris. Beim Sturz auf das Knie oder als chronische mechanische Irritation beim häufigen Knien (Schützen, Surfen) kann es infolge der akuten oder chronischen Druckbelastung zu einer Schleimbeutelreizung zwischen unterem Patellapol und Tuberositas tibiae kommen, einhergehend mit Schwielenbildung, Hautreizungen bis Schwellungen und Entzündung. Die Therapie besteht in Schonung, Lokalanaesthetika- oder Corticoid-Injektionen, mitunter auch in der operativen Beseitigung des entzündeten Schleimbeutels.

3.7.3. Unterschenkel

Auch bei Ausklammerung von Kniegelenk und oberem Sprunggelenk entfallen im Sport nahezu 10 Prozent aller Verletzungen auf den Unterschenkelbereich (Fußball/Skiabfahrt bis zu 20 Prozent). Typische Sportverletzungen sind die Ruptur der Wadenmuskulatur (Lauf, Sprung, Ballspiele), Achillessehnenruptur (Lauf, Sprung, Abgang vom Gerät, Ballspiele), Peroneussehnenluxation (Skiabfahrt), Tibia-/Fibula -Torsionsfraktur (Skiabfahrt, Fußball), Biegungsbruch der Tibia am oberen Skischuhrand (Skiabfahrt) und Stauchungsbruch der distalen Tibia (Skiabfahrt).

Typische Fehlbelastungsfolgen sind die Achillodynie (Lauf, Sprung, Turnen) und die Schienbeinkanten-Insertionstendinopathie (Lauf, Sprung, Gehen, Turnen).

3.7.3.1. Frakturen

Direkte Gewalteinwirkung tritt als Unfallursache hinter indirekten Traumen zurück (Drehbrüche, Abrissfrakturen). Die statische Funktion übernimmt vorwiegend die Tibia, weshalb ihre achsengerechte Ausheilung nach Frakturen erhebliche funktionelle Bedeutung erlangt. Verletzungen der Tibia sind in ihren einzelnen Abschnitten unterschiedlich zu bewerten (Tibiakopf: dünne Kortikalis, reichlich Spongiosa; Tibiaschaft: typischer Röhrenknochen, dicke Kortikalis; distales Tibiaende: hoher Spongiosaanteil).

Kurze oder lange Schrägbrüche der Tibia sind fast immer Ausdruck von indirekter Gewalteinwirkung (Pressschlag, Drehsturz mit fixiertem Fuß) mit stärkerer Dislokation, so dass sich um so mehr die Frage nach einer operativen Reposition stellt. Größter Vorteil konservativen Vorgehens ist die Infektionsvermeidung, die mitunter bei operativer Versorgung mit erheblicher Heilungsverzögerung und Häufung von Spätkomplikationen einhergeht (Pseudarthrose, Osteomyelitis). Größter Vorteil der operativen Therapie ist die Möglichkeit der übungs- bis belastungsstabilen Osteosynthese und damit erhebliche Verkürzung der Immobilisation.

3.7.3.2. Achillessehnenaffektionen

Zusammen mit den Rupturen der Streckaponeurosen der Finger zä hlen die subkutanen Rupturen der Achillessehne zu den häufigsten Sehnenverletzungen im Sport, mit besonderer Häufung beim Skiabfahrtslauf, im Fußball und in der Leichtathletik. Typische Unfallmechanismen sind die plötzliche Kontraktion des M. triceps surae bei vorge- spannter Sehne (Plantarflexion des Fußes, z. B. Antritt beim Laufen, Absprung), Frontalanprall beim Abfahrtslauf (maximal angespannte Achillessehne bei fest fixierter Ferse), Landung nach Sprung (passive Überdehnung des plantarflektierten Fußes) und passive Überdehnung der angespannten Sehne (Tritt, Schlag). Das Überschreiten der normalen Zerreißfestigkeit scheint auch bei 'gesunden' Achillessehnen möglich, wesentlich häufiger sind allerdings Rupturen bei schon vorhandenen degenerativen Veränderungen der Sehne. Als Grund wird auch die mit zunehmendem Alter rückläufige Durchblutung mit folgender Minderbelastbarkeit angesehen, welche sich andererseits auch im Rahmen einer exsudativen und proliferaten Paratenonitis einstellen kann (Achillodynie als Folge einer längerdauernden Überlastung).

Die Diagnose Achillodynie ergibt sich aus dem klinischen Befund (Druckschmerz, Schwellung, Krepitation) und dem Röntgenbefund (Exostosen, Verknöcherungen im Ansatzgebiet der Sehne, Weichteilschatten). Therapeutisch kann konservativ (Entlastung, Techniküberprüfung, Trainingsumstellung, Absatzerhöhung, hyperämisierende Maßnahmen, lokale paratendinöse Injektionen) oder operativ vorgegangen werden (Denervierung, Glättung, Exstirpation, Längsspaltung des Paratenons).

Die degenerativen Veränderungen der Achillodynie sind prädisponierende Ursache der subkutanen Achillessehnenruptur, entweder am Übergang Muskel/Sehne an typischer Stelle (2 bis 6 cm proximal vom Tuber calcanei) oder am Tuber calcanei als Abrissfraktur (Entenschnabelfraktur). Diagnostisch ist das plötzliche Verspüren eines schmerzhaften Schlages im Fersenbereich mit dem spontanen Unvermögen, sich weiter zu belasten, nahezu beweisend. Sofort nach dem Unfall imponiert die deutlich tastbare Delle, welche schnell durch ein Hämatom/Ödem abgelöst wird. Absolute Operationsindikation ist gegeben, wobei der Zeitpunkt so früh wie irgend möglich zu wählen ist.

3.7.3.3. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Kompartmentsyndrom
Überall dort, wo Muskeln bzw. Muskelgruppen mit ihren dazugehörigen Gefäßen und Nerven von straffen, bindegewebigen Hüllen umgeben sind, kann es zur Ausbildung von Logen- o. Kompartmentsyndromen kommen. Dies ist vornehmlich am Unterschenkel der Fall (seitliches Kompartmentsyndrom: Außenseite des Unterschenkels bei Überlastung der Mm. peronei nach Supinationstrauma oder Kompression des N. peroneus superficialis; hinteres Logensyndrom: Rückwärtige Wadenmuskulatur bei Überlastung des M. gastrocnemius und des M. soleus infolge Spreizfußbildung; vorderes Kompartmentsyndrom: Vorderseite des Unterschenkels bei Überlastung des M. tibialis anterior infolge zu intensiven Trainings, Trainings auf zu hartem Untergrund, Fußfehlstatik oder falschem Schuhwerk).

Im Stadium I imponieren eine Weichteilschwellung mit deutlich verhärteter Muskulatur und einem typischen Muskeldehnungsschmerz. Das Stadium II ist gekennzeichnet durch spontane Muskelschmerzen, Ausdruck einer zunehmenden Ischämie. Das Stadium III führt zu Sensibilitätsstörungen, die zu sofortigem operativen Vorgehen (Faszienspaltung) zwingen. In frühen Stadien bringen Schonung, Kühlung, Hochlagerung, Behebung anatomischer Anomalien sowie medikamentöse Abschwellung Entlastung.

Skin Splint
Auch Läuferbein, Schienbeinkantensyndrom, Tibiakantensyndrom genannt. Meist liegt der Knochenhautreizung an der medialen Schienbeinkante eine Überlastung des M. tibialis posterior oder des M. flexor digitorum longus zugrunde, hervorgerufen durch verstärkten Muskel- oder Faszienzug bei intensiver Belastung oder bei Hyperpronation des Fußes. Es finden sich typische Druckschmerzen und Verhärtungen im Muskelverlauf. Die Therapie besteht in der Applikation von Fußgymnastik, Kryotherapie, Ultraschall, Einlagen und angepassten Sportschuhen, in schweren Fällen von Lokalanaesthetika- und Kortikosteroid-Injektionen sowie operativer Entlastung.

Ski Boot Fracture
Frontalstürze beim Skiabfahrtslauf können zu typischen Schuhrandbrüchen führen, wenn der Unterschenkel am vorderen Rand des Skistiefels starken Biegungen ausgesetzt wird. Besonders bei niedrigen Skistiefeln kam es früher zu schweren Frakturen. Die moderne Entwicklung von Hochschaftstiefeln hat diese Frakturart verringert, allerdings zu verstärkten Knieverletzungen geführt.

Stressfraktur
Ermüdungsbrüche treten vorwiegend im kranialen und kaudalen Teil von Tibia und Fibula auf. Oft werden sie mit uncharakteristischen Periostitiden verwechselt, ohne dass -trotz entsprechender Physiotherapie - eine Besserung eintritt. Die Überbeanspruchungen infolge zu hohen Trainingsumfangs, nicht korrigierter Fehlstatik sowie eines gelenkbelastenden Laufstils machen sich subjektiv durch Druckschmerzhaftigkeit, Schwellung und Belastungsschmerz sowie vor allem langwierigen Verlauf mit wechselnder Ausprägung der Symptomatik bemerkbar. Die Therapie besteht in vorübergehender Entlastung bis Immobilisierung, Techniküberprüfung, eventuell Einlagenversorgung und individuelle r Anpassung der Sportschuhe sowie Anpassung der Trainingsplanung.

Tennis Leg
Typische Verletzung des inneren Anteils des M. gastrocnemius beim Tennisspiel (Zerrung bis Ruptur), verursacht durch übermäßige Scherkräfte am Muskelsehnenübergang. Typische Symptome sind der spontane lokale Schmerz und die sofortige Belastungseinschränkung. Meist ist eine konservative Therapie ausreichend (Kälte, Kompression, evtl. Punktion eines Hämatoms, Elektrotherapie, Lymphdrainagen, Dehnungsübungen, isometrische Kontraktionsübungen, Zinkleimverband, Absatzerhöhung, Krankengymnastik). Der Heilungsprozess kann langwierig sein (bis zu 10 Wochen).

3.7.4. Fuß

Während Überlastungen der Sprunggelenkregion im Sport eher selten vorkommen, gehören Sprunggelenktraumen zu den häufigsten Sportverletzungen, vor allem Distorsionen des Kapselbandapparates sowie Frakturen ohne und mit Bandbeteiligung. Ursache für die hohe Verletzungsauffälligkeit ist der anatomische Aufbau sowie die funktionelle Beanspruchung (spongiöses distales Tibiaende, Malleolus medialis und lateralis, Scharnierbewegungen des Talus mit geringer Rotationsmöglichkeit). Ein komplexes straffes Bandsystem (Ligamenta tibiofibulare posterius et anterius, Ligamentum deltoideum, fibulares Seitenbandsystem) schränkt zwar die einzelnen Bewegungsmöglichkeiten ein, forcierte Überschreitungen der Toleranzgrenzen führen jedoch zu teilweise schweren ligamentären und/oder ossären Verletzungen. Das untere Sprunggelenk und die gelenkigen Verbindungen des Mittelfußes stehen in enger Verbindung zum oberen Sprunggelenk und sind ätiologisch, diagnostisch und therapeutisch zu berücksichtigen.

Typische Verletzungen sind Distorsionen, ligamentäre Teil- und Totalrupturen (vor allem Fußball, Sprungdisziplinen, Turnen), intraartikuläre Frakturen der distalen Tibia (Skiabfahrt), Malleolenfrakturen ohne und mit Verletzungen der tibiofibularen Syndesmose (Fußball, Skiabfahrt) und Peroneussehnenluxation (Skiabfahrt).

In der Fußregion sind die spongiösen Fußwurzelknochen sowie die Metatarsalia und Zehen durch straffe Bandverbindungen fast unbeweglich oder über einen Kapsel- Bandapparat mit nur geringer Bewegungsmöglichkeit gelenkig miteinander verbunden. Aktive Beschleunigungen und Abbremsungen des Körpers werden über die Füße gedämpft bzw. in eine Vorwärtsbewegung umgesetzt.

Typische Sportverletzungen der Fußregion sind Abrissfrakturen an der Tuberositas ossis metatarsi V bei Supinationstraumen, Kontusionen bei Spielsportarten sowie Mittelfuß- und Zehenverletzungen beim Barfuß-Sporttreiben bzw. bei Versorgung mit inadäquatem Schuhwerk.

3.7.4.1. Distorsion im oberen Sprunggelenk

Meist Supinationstrauma. Eine der häufigsten Sportverletzungen überhaupt (Bewegungsablauf und Traumadisposition bestimmter Sportarten wie Fußball, Basketball, Tennis, Turnen, Springen, Werfen, Ringen; Unebenheiten des Untergrunds). Mögliche Verletzungsfolgen reichen von Überdehnung bis zur teilweisen oder völligen Zerreißung von Bändern, wobei ossäre Anteile, die tibiofibulare Syndesmose und Knorpel mitbetroffen sein können. Die Diagnose ergibt sich durch zunehmende Ruheschmerzen, Rötung, Schwellung, Überwärmung und Hämatom im Außenknöchelbereich und an der Fußsohle. Therapeutisch sind Schonung, Kompression, Kühlung und Hochlagerung im akuten Stadium, später Tapeverbände, abschwellende Salben sowie Elektrotherapie empfohlen. Operatives Vorgehen wird unterschiedlich bewertet, in den letzten Jahren trotz gewisser Vorteile (optimale Wiederherstellung anatomischer Strukturen, Erkennen von komplizierenden Begleitverletzungen, Beseitigung eines Hämatoms) eher verneint.

3.7.4.2. Intraartikuläre Fraktur der distalen Tibia

Folge einer kombinierten Einwirkung von Biegungs- Scher- und Kompressionskräften, typische Verletzung bei Skiabfahrtsläufern. Bei erhaltenen Malleolen kann die Spongiosastruktur der distalen Tibia dennoch stark zerstört sein, so dass im Leistungsalter operatives Vorgehen indiziert ist, um ein späteres gutes funktionelles Ergebnis zu zeitigen.

3.7.4.3. Malleolenfraktur

Sie gehört zu den häufigsten Sportverletzungen, verursacht vorwiegend indirekt als Folge von forcierter Supination oder Pronation des Talus bei gleichzeitiger Eversion oder Inversion des Fußes (Fußball, Skilaufen bei unsachgemäßem Schuhwerk). Da konservatives Vorgehen häufig zur Entwicklung von Spätarthrosen führte, bevorzugen immer mehr Chirurgen die operative Frühversorgung, insbesondere bei dislozierten Malleolarfrakturen (Rekonstruktion der Fibula, Syndesmosennaht, Rekonstruktion des Malleolus tibialis).

3.7.4.4. Stressfraktur des Os naviculare

Bei der Kraftübertragung vom Sprunggelenk auf die Zehen, insbesondere bei Absprüngen, ist das Os naviculare sehr hohen Druckkräften ausgesetzt, zusätzlich verstärkt durch falsche Technik und Hohlfußbildung. Oft werden die langwährenden Schmerzen als 'chronische Verstauchung' oder Sehnenreizung mißgedeutet. Wegweisend für die Diagnose sind der lokale starke Kompressionsschmerz, ein Schongang und (im chronischen Zustand) Umbauzonen im Röntgenbild. Therapeutisch sind vorübergehende Immobilisierung, Einlagen, unterstützende medikamentöse Therapie und Physiotherapie angebracht.

3.7.4.5. Ausgewählte sportartspezifische Verletzungen/Schäden

Flopperfuß
Reizzustand des Os naviculare bzw. der Articulatio talonavicularis, vorkommend bei Springern und bei Sprintern. Typische Beschwerden sind Belastungsschmerzen im Bereich des Fußrückens sowie bei Drehbewegungen des Fußes um die Längsachse. Bei knöchernen Überlastungsreaktionen empfehlen sich Ruhigstellung, bei entzündlicher Gelenkbeteiligung Elektrotherapie und entzündungshemmende Medikamente.

Fußballerknöchel
Ossifikation der mikrotraumatisierten Gelenkkapsel, reaktive Exostosen und freie Gelenkkörper kennzeichnen dieses Krankheitsbild, welches vorwiegend bei Fußballspielern infolge ständiger Überbeanspruchung des oberen Sprunggelenks, aber auch bei Tänzern, Surfern und Weitspringern auftritt. Charakteristisch sind zunehmende Funktionsschmerzen, lokaler Druckschmerz und Bewegungseinschränkungen bis zur Ergussbildung, Überwärmung und Schwellung. Bei geringerer Ausprägung sind physikalische Maßnahmen indiziert, später empfehle n sich zusätzlich Elektro- und Kryotherapie, Bandagen, Medikamente und eventuell operative Entfernung von Knochenwülsten bzw. entzündeter Synovia.

Läuferzeh
Auch tennis toe. Subunguales Hämatom, hervorgerufen durch starke mechanische Beanspruchung des Vorfußes in Laufdisziplinen (zu kleine Schuhe, belastungsbedingte Schwellung des Fußes, Aufhebung des Längsgewölbes als Belastungsfolge). Meist werden he ftige, pochende Schmerzen angegeben, die durch Nagelaufbohrung beseitigt werden können. Cave: Injektionsgefahr.

Marschfraktur
Stressfraktur im Mittelfußbereich, Folge einer zu intensiven langdauernden Beanspruchung beim Gehen, Marschieren, Wandern, Joggen, Laufen. Muskelermüdung, Achsfehlstellungen und Fußdeformitäten spielen eine zusätzliche Rolle. Subjektiv imponieren Druckschmerzen, Belastungs- und Funktionsschmerzen. Röntgenologisch ist der Befund oft (zumindest in den frühen Stadien) nicht zu erfassen. Szintigraphie und Kernspintomographie helfen weiter. Therapeutisch steht die Entlastung im Vordergrund, weitere Maßnahmen sind Elektrotherapie, Salbenanwendungen, adäquates individuell angepasstes Schuhwerk und Ausgleich anatomischer Anomalien.

Runner's Hindfoot
Unter diesem Sammelbegriff werden verschiedene Störungen zusammengefasst, welche alle zu Rückfußproblemen vorwiegend bei Läufern, aber auch bei Tennisspielern und anderen Ausdauerathleten führen (Tendinitis achillea am Ansatz des Calcaneus, Bursitis subachillaea, Bursitis subcutanea calcanei posterior, Fersensporn, Nervenkompression, Instabilität der Articulatio subtalaris zwischen Talus und Calcaneus). Die häufigsten Beschwerden sind lokale Druckschmerzen, Belastungsschmerzen und Anlaufschmerzen. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Ursache (physikalische Therapie, Salbenanwendungen, Bandagen, Korrektur der Technik und der Schuhe, Medikamente).

Schlittschuhfuß
Druckstellen am Fuß, verursacht durch enges und steifes Schuhwe rk (Schlittschuhe, Skiabfahrt, Klettern). An den exponierten Stellen (Zehen, Fußränder, Ballen, Ferse) entstehen Schwielen, Bursitiden folgen. Im weiteren Verlauf kommt es zu Exostosenbildung, Nervenkompression, Paraesthesien und Schmerzen. Therapeutisch müssen die Schuhe individuell angepasst werden, Schaumstoffringe und Weichpolsterung können hilfreich sein.

Tänzerferse
Reizzustand des Processus posterior tali bzw. dessen Einklemmung zwischen Tibia und Calcaneus bei ext remer Plantarflexion, wie sie beispielsweise bei Tänzern und Springern wiederholt auftritt. Schmerzen werden vor allem in den Bereich der Achillessehne projiziert, außerdem imponieren eine teilweise erhebliche Funktionseinschränkung und Schwellungen. Therapeutisch sind Ruhigstellung und lokale Maßnahmen (Salbenanwendung, Physiotherapie, Elektrotherapie), evtl. auch die operative Beseitigung eines Knochenfragmentes indiziert.

Tänzerfraktur
Auch Ballerina-Fraktur. Stressfraktur im Bereich der Basis des 2. bis 5. Metatarsale, verursacht durch die extrem hohe Belastung des Fußskeletts im wiederholten, langandauernden Zehenstand. Eine zusätzliche Rolle spielen Muskelermüdung, Achsfehlstellungen und Fußdeformitäten. Klinische Hinweise sind Belastungs- und Funktionsschmerzen, lokaler Druckschmerz und Schwellungen. Im Vordergrund der Therapie steht die Entlastung (bis zu mehrmonatiger Pause), unterstützend wirken Physio- und Elektrotherapie, Krankengymnastik, muskelaufbauende Übungen, Ausgleich muskulärer Dysbalancen, Tapeverbände und medikamentöse Therapie.

Triggerzehe
Schmerzen des M. flexor hallucis longus im Tarsaltunnel und beim Bewegen sowie Belasten der Großzehe, verursacht durch Überlastung, beispielsweise beim Ballett-Tanz. Druckschmerzen und Funktionseinschränkungen sind wegweisend. Als Behandlungsmaßnahmen bieten sich Kälteapplikation, Ultraschall, Querfriktionsmassagen, auch lokale Infiltrationen an.
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